Starke Cloud-Zahlen, schwache Kurse. Bei Microsoft klaffen operatives Geschäft und Börsenstimmung derzeit weit auseinander. Der Softwareriese erlebte im Juni seinen schlechtesten Monat seit der Dotcom-Blase. Ein mögliches Rekord-IPO von OpenAI rückt nun in den Fokus.
Der ChatGPT-Entwickler plant offenbar den Gang an die Börse. Ein erster vertraulicher Antrag liegt der US-Börsenaufsicht bereits vor. CEO Sam Altman peilt für das Debüt im Jahr 2027 angeblich eine Bewertung von über einer Billion Dollar an.
Das weckt Begehrlichkeiten. Microsoft hält rund 27 Prozent der Anteile an dem KI-Startup. Bei einer Billionen-Bewertung entspräche dieses Paket etwa 270 Milliarden Dollar. Das ist ein Gegenwert von fast neun Prozent der gesamten Microsoft-Marktkapitalisierung.
Teure KI-Infrastruktur
Die Aussicht auf den Mega-Börsengang kommt zur rechten Zeit. Microsoft kämpft an der Börse mit enormem Gegenwind. Die Aktie hat seit Jahresbeginn über 15 Prozent an Wert verloren. Damit ist der Konzern aktuell das absolute Schlusslicht der großen Tech-Werte.
Ursache für die Skepsis sind explodierende Kosten. Das Management plant für 2026 Kapitalausgaben in Höhe von 190 Milliarden Dollar. Das entspricht einem massiven Anstieg von 63 Prozent im Jahresvergleich. Investoren fürchten einen spürbaren Margendruck.
Die nackten Geschäftszahlen sprechen eigentlich eine andere Sprache. Das Cloud-Geschäft rund um Azure wuchs im vergangenen Quartal um fast 40 Prozent. Trotzdem lasten die Milliardeninvestitionen schwer auf der Grundstimmung der Anleger.
Charttechnik bleibt angespannt
Dieser Pessimismus spiegelt sich im Kursverlauf wider. Zwar schlossen die Papiere am Freitag bei 342,00 Euro. Dennoch notiert der Kurs weiterhin gut zehn Prozent unter der wichtigen 200-Tage-Linie.
Vom jüngsten Jahrestief hat sich die Aktie immerhin um gut elf Prozent abgesetzt. Der Rückschlag seit dem Rekordhoch beträgt allerdings knapp 28 Prozent. Technische Indikatoren signalisieren nach der leichten Erholung ein völlig neutrales Niveau.
Die Nervosität bleibt dennoch extrem hoch. Das zeigt die annualisierte Volatilität von über 40 Prozent. Jeder neue Bericht über das Kerngeschäft bewegt den Kurs massiv.
Das Warten auf die Zahlen
Ein konkretes Datum für den OpenAI-Börsengang fehlt bisher. Daher rücken die kommenden Quartalszahlen als wichtigster Impulsgeber in den Fokus. Microsoft muss beweisen, dass die wachsenden Cloud-Gewinne die massiven KI-Ausgaben auffangen. Liefert der Vorstand hier handfeste Ergebnisse, weicht die Sorge um die Profitabilität.
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