Der Software-Gigant Microsoft verstärkt seine Anstrengungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) durch neue Hardware-Kooperationen und strategische Allianzen im Ausland.

Gestern gab das Unternehmen eine Partnerschaft mit ChronoScale bekannt, um eine 50 Megawatt starke KI-Rechenkapazität in Nordamerika aufzubauen. Dabei sollen hochmoderne NVIDIA GB300 NVL72-Systeme in Kombination mit einer spezialisierten Flüssigkeitskühlung zum Einsatz kommen, um die Effizienz der Rechenzentren zu steigern.

Milliardeninvestitionen in Rechenzentren und neue Hardware

Die Kooperation mit ChronoScale unterstreicht die massiven Investitionspläne des Konzerns. Schätzungen zufolge belaufen sich die geplanten Investitionsausgaben für das Kalenderjahr 2026 auf rund 175 Milliarden US-Dollar, wobei der Großteil in die KI-Infrastruktur und GPU-Komponenten fließt.

Parallel zum Hardware-Ausbau treibt Microsoft die globale Integration seiner Software voran. Am Mittwoch verkündete das Unternehmen eine langfristige Zusammenarbeit mit HUMAIN, einem Unternehmen des saudi-arabischen Staatsfonds. Ziel ist es, die arabischen Sprachmodelle „ALLAM“ in das Microsoft-Ökosystem und den Microsoft 365 Copilot zu integrieren.

Zusätzlich zur Expansion im Cloud-Bereich hat Microsoft gestern eine Vorschau-Version für Windows 11 veröffentlicht. Diese führt funktionale Änderungen wie eine verschiebbare Taskleiste und ein in der Größe anpassbares Startmenü ein. Nutzer erhalten zudem die Möglichkeit, den Dienst Bing in der Windows-Suche zu deaktivieren.

Im Bereich der Energieversorgung setzt der Konzern weiterhin auf Nachhaltigkeit: Vor rund einer Woche wurde die Partnerschaft mit dem Solarpanel-Produzenten Qcells erweitert, um neue Stromkapazitäten für den Ausbau der Infrastruktur zu sichern.

Analysten sehen weiteres Potenzial trotz kartellrechtlicher Prüfung

Die ambitionierten Wachstumspläne rufen jedoch auch Regulierungsbehörden auf den Plan. Medienberichten zufolge untersucht die britische Wettbewerbsbehörde CMA derzeit das Software-Ökosystem von Microsoft. Die Behörde prüft, ob dem Unternehmen ein „strategischer Marktstatus“ zukommt, wobei der Fokus auf der Produktbündelung und den Standardeinstellungen liegt.

Trotz dieser regulatorischen Hürden zeigen sich Analysten optimistisch. Ivan Feinseth von Tigress Financial hob am Mittwoch das Kursziel für die Microsoft-Aktie von 680 auf 690 US-Dollar an und bekräftigte seine Kaufempfehlung mit Verweis auf die Expansion im Cloud- und KI-Geschäft.

Bereits Mitte August hatte der Analyst Samik Chatterjee von JPMorgan sein Kursziel auf 625 US-Dollar erhöht. Er begründete dies mit einer KI-getriebenen Beschleunigung bei Azure und Microsoft 365. Für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 gab das Management zudem eine Umsatzprognose zwischen 89,85 Milliarden und 90,95 Milliarden US-Dollar ab, nachdem Azure im vergangenen Geschäftsjahr erstmals die Marke von 100 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz überschritten hatte.

Aktie zeigt sich stabil im Marktumfeld

An der Börse notiert das Papier heute bei 433,30 Euro, was einem minimalen Rückgang von 0,08 Prozent entspricht. Damit liegt der Wert rund 9,4 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 478,10 Euro, das im Oktober vergangenen Jahres erreicht wurde.

Die Marktkapitalisierung beläuft sich umgerechnet auf beachtliche 3.134,21 Milliarden Euro. Dass der Konzern nicht nur auf Großprojekte setzt, zeigt die vor wenigen Tagen gemeldete Partnerschaft mit dem Baseball-Team Toronto Blue Jays, bei der Cloud- und KI-Technologien zur Verbesserung des Fan-Erlebnisses eingesetzt werden sollen.

Dennoch verlief die jüngste Zeit nicht gänzlich reibungslos: Microsoft bestätigte am Montag Probleme bei .NET-Framework-Updates, die zu Fehlern beim Drucken und PDF-Export in bestimmten Anwendungen führten.