Bill Ackman setzt 2,1 Milliarden Dollar auf Microsoft — während der Konzern gleichzeitig seine teuersten KI-Tools zurückfährt. Die Diskrepanz könnte kaum größer sein.
Ackman kauft im Ausverkauf
Pershing Square hat im ersten Quartal 2026 rund 5,65 Millionen Microsoft-Aktien erworben. Wert zum Quartalsende: 2,09 Milliarden Dollar. Ackman nutzte den Kursrückgang nach den Quartalszahlen im Februar. Sein Einstiegszeitpunkt: ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 21 — nahe am Marktdurchschnitt und deutlich unter Microsofts historischem Bewertungsniveau.
„Wir konnten die Position zu einer Bewertung aufbauen, die weit unter dem Durchschnitt der letzten Jahre liegt“, schrieb Ackman. Auch sein neuer geschlossener Fonds Pershing Square USA, der im April an der NYSE debütierte, hält Microsoft als Kernposition.
Ackmans These: Microsoft kontrolliert zwei der wertvollsten Franchises der Unternehmens-IT. Die 365-Produktivitätsplattform und das Azure-Cloud-Geschäft bilden ein Duopol, das sich nicht einfach replizieren lässt.
KI-Kosten außer Kontrolle
Parallel dazu mehren sich Berichte über ein strukturelles Problem: KI wird teurer, je mehr sie genutzt wird. Microsoft hat in den vergangenen Wochen die meisten direkten Lizenzen für Claude Code gestrichen. Stattdessen sollen Entwickler auf GitHub Copilot CLI umsteigen — nur sechs Monate nachdem der Konzern Tausende Mitarbeiter ermutigt hatte, mit Claude Code zu experimentieren.
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Der Grund liegt im Token-basierten Preismodell. Je effizienter KI arbeitet, desto mehr Tokens verbraucht sie pro Aufgabe. Goldman Sachs prognostiziert einen 24-fachen Anstieg des Token-Verbrauchs bis 2030 — auf rund 120 Billiarden Tokens pro Monat.
Gartner erwartet zwar sinkende Kosten pro Token. Die Gesamtrechnung für Unternehmen könnte dennoch steigen, weil fortgeschrittene Modelle deutlich mehr Tokens pro Aufgabe benötigen. Die Microsoft-Aktie gab am Dienstag leicht nach.
Wall Street bleibt optimistisch
Die Analystengemeinde lässt sich davon nicht beirren. BNP Paribas rechnet damit, dass Microsoft bis Ende des Geschäftsjahres 2026 mehr als 25 Millionen Copilot-Lizenzen verkauft — ein Zuwachs von über 10 Millionen in nur zwei Quartalen.
Für Azure erwartet BNP Paribas in den kommenden Quartalen ein Wachstum von über 40 Prozent. Die neuen Rechenzentren in Fairwater, Wisconsin und Atlanta sollen das Umsatzwachstum bis Ende 2026 beschleunigen.
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39 Analysten stufen Microsoft mit „Kaufen“ ein, sieben mit „Halten“. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 560,88 Dollar — rund 32 Prozent über dem aktuellen Niveau von 355,10 Euro.
Gates Foundation verkauft letzte Anteile
Die Bill & Melinda Gates Foundation hat im ersten Quartal ihre letzten 7,7 Millionen Microsoft-Aktien verkauft. Wert der Position: rund 3,2 Milliarden Dollar. Damit endet eine finanzielle Verbindung, die seit Gründung der Stiftung im Jahr 2000 bestand.
Der Verkauf folgt keiner pessimistischen Einschätzung. Die Stiftung hat sich verpflichtet, ihr gesamtes Vermögen bis 2045 auszugeben. Um das zu erreichen, muss sie ihre Positionen liquidieren.
Bill Gates selbst hält außerhalb der Stiftung weiterhin rund 103 Millionen Microsoft-Aktien. Sein persönlicher Anteil bleibt damit enorm.
Bewertungslücke als Chance
Die Aktie notiert aktuell 24 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 467,45 Euro. Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt deutlich unter dem Fünf-Jahres-Median von 34,15. Ackman und die Analystengemeinde interpretieren diese Lücke als Einstiegschance — auch wenn die Debatte über KI-Kosten noch lange nicht ausgestanden ist.
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