Microsoft treibt die Umstellung seiner Cloud-Rechenzentren auf maßgeschneiderte Halbleiter massiv voran. Ab 2027 will der Softwarekonzern Systeme der hauseigenen Azure-Maia-Reihe im Multi-Gigawatt-Maßstab betreiben. Sie sollen als primäre Plattform für die Ausführung von KI-Diensten wie Copilot und Teams dienen.
Die Ankündigung der dritten Chip-Generation Maia 300 untermauert das Bestreben, den gewaltigen Rechenaufwand im laufenden Betrieb effizienter zu bewältigen und die Kosten pro Anfrage spürbar zu senken.
Am Markt stieß der strategische Vorstoß auf Zustimmung. Zu Wochenbeginn legte die Microsoft-Aktie um 1,6 Prozent zu und schloss bei 485,15 Euro. Damit notiert das Papier nur 0,2 Prozent unter seinem gestrigen 52-Wochen-Hoch von 486,00 Euro.
Effizienzsprung in der Serverfarm
Der neu vorgestellte Beschleuniger Maia 300 soll 2027 in die Serienfertigung gehen. Gegenüber führenden Grafikprozessor-Systemen stellt Microsoft eine um 40 Prozent höhere Ausbeute an verarbeiteten Tokens je Megawatt in Aussicht.
In voll bestückten Racks mit 96 Beschleunigern soll der Token-Durchsatz das Siebenfache des Vorgängers Maia 200 erreichen. Die Hardware basiert auf einer Chiplet-Architektur und nutzt schnellen HBM4-Speicher, um datenintensive Abfragen mit hoher Bandbreite zu bewältigen.
Der Vorgänger Maia 200 befindet sich bereits in Rechenzentren in den USA, Europa sowie Australien im Produktivbetrieb. Für Kommunikations- und Assistenzfunktionen liefert dieser Chip nach Unternehmensangaben bis zu 1,7-mal mehr Tokens je Watt als herkömmliche GPU-Infrastrukturen.
Bis zum Jahresende sollen weitere Dienste wie GitHub Copilot auf diese Plattform migriert werden. Für das ressourcenintensive Modelltraining greift Microsoft allerdings weiterhin auf Grafikprozessoren von Nvidia und AMD zurück.
Wall Street honoriert Hardware-Strategie
Finanzexperten werten den beschleunigten Aufbau eigener Siliziumlösungen als wichtigen Hebel zur Sicherung der langfristigen Profitabilität. Brad Zelnick von der Deutschen Bank hob das Kursziel für die Microsoft-Aktie von 550 auf 600 US-Dollar an und bestätigte seine Kaufempfehlung.
RBC-Analyst Rishi Jaluria bekräftigte seine Einstufung mit „Outperform“ und einem Ziel von 640 US-Dollar. Er bezeichnete die Vorstellung von Maia 300 als bedeutenden Schritt bei der vertikalen Integration des Konzerns.
Die schrittweise Entkopplung des Inferenzbetriebs von externen Chiplieferanten verschafft Microsoft mehr Kontrolle über die Margen im Cloud-Geschäft. Angesichts der rasant steigenden Nutzerzahlen bei assistierenden KI-Funktionen entscheidet die Energie- und Kosteneffizienz jedes einzelnen Rechenschritts zunehmend über die Ertragskraft der gesamten Azure-Sparte.
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