Microsoft schließt in einem einzigen Update-Zyklus mehr als 570 Sicherheitslücken. Darunter eine kritische Schwachstelle direkt im KI-Assistenten Copilot. Die Aktie stört das nicht: Sie steigt um 2,34 Prozent auf 345,30 Euro.
Der größte Patch Tuesday aller Zeiten
Microsoft veröffentlichte am Dienstag Updates für mindestens 570 Sicherheitslücken in Windows und anderer Software. Das sind fast dreimal so viele wie beim bisherigen Rekord im Vormonat. Fast 60 der Lücken stufte der Konzern als „kritisch“ ein — Angreifer könnten sie nutzen, um Windows-Geräte komplett aus der Ferne zu übernehmen.
Drei Zero-Day-Schwachstellen waren ebenfalls Teil des Pakets. Zwei davon werden bereits aktiv ausgenutzt.
Die brisanteste Lücke betrifft Copilot selbst. Sicherheitsforscher Jack Bicer von Action1 wies auf CVE-2026-48561 hin, eine Schwachstelle mit einem CVSS-Bedrohungswert von 9,6. Ein Angreifer kann darüber per Remote-Code-Ausführung fremden Code einschleusen — ausgelöst allein durch den Besuch einer präparierten Webseite in Microsoft Edge für Android, die Copilot automatisch manipulierte Prompts zusendet.
Zwei weitere aktiv ausgenutzte Lücken treffen zentrale Unternehmensinfrastruktur. CVE-2026-56164 in SharePoint Server und CVE-2026-56155 in Active Directory Federation Services erlauben Angreifern, Rechte zu eskalieren — teils ganz ohne Zugangsdaten oder Nutzerinteraktion.
Microsoft macht KI für die Zahlenexplosion verantwortlich
Microsoft selbst erklärt den sprunghaften Anstieg mit dem Einsatz künstlicher Intelligenz. Executive Vice President Pavan Davuluri schrieb bereits am 9. Juli in einem Blogbeitrag, Windows-Nutzer würden künftig „ein höheres Volumen an Sicherheitsupdates“ in jedem Release bemerken. Der Grund: KI beschleunigt das Aufspüren von Schwachstellen. „Das Tempo der Schwachstellenentdeckung verändert sich mit den Fortschritten der KI“, so Davuluri.
Das Ausmaß überraschte selbst erfahrene Sicherheitsbeobachter. Microsofts eigene Zählung im Security Update Guide kam auf 622 konzernbezogene CVEs — mehr als das Dreifache des bisherigen Höchstwerts von rund 200 im Juni. Ein weiterer Sicherheitsdienst zählte nach eigener Methodik anders, kam aber auf eine ähnlich auffällige Größenordnung. Dabei fiel eine wurmfähige, netzwerkweit ausnutzbare Schwachstelle besonders auf. Zusätzlich stellt Microsoft mit diesem Update die alte Kerberos-RC4-Authentifizierung in Windows-Netzwerken endgültig ein.
Windows 11 bekommt trotzdem neue Funktionen
Der Update-Zyklus bringt neben den Sicherheitspatches auch neue Windows-11-Features. Das Kernstück heißt Point-in-time Restore: Ein neues Wiederherstellungswerkzeug, das per Volume Shadow Copy Service alle 24 Stunden automatische System-Schnappschüsse erstellt. Standardmäßig aktiv ist die Funktion auf Home- und Pro-Systemen mit Systemlaufwerken ab 200 GB — Nutzer können ihren PC damit auf einen früheren funktionierenden Zustand zurücksetzen, falls ein Treiber oder Update Probleme verursacht.
Die Pause-Updates-Funktion arbeitet künftig mit einer Kalenderansicht statt fester Tagesblöcke. Nutzer wählen ein genaues Pausendatum bis zu 35 Tage im Voraus, verlängerbar sobald die Frist abläuft.
Kursbild: Erholung mit Bremsspuren
Die Aktie setzt ihre Erholung von den Jahrestiefs fort und notiert nahe ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 347,50 Euro. Seit dem 52-Wochen-Tief von 307,10 Euro am 25. Juni hat der Kurs 12,44 Prozent zugelegt. Zum Rekordhoch von 478,10 Euro aus dem Oktober 2025 fehlen aber weiterhin 27,78 Prozent, seit Jahresbeginn steht ein Minus von 14,44 Prozent zu Buche.
Die Sicherheitslücken in Copilot rücken einen neuen Aspekt in den Blick, der über die reine Debatte um KI-Infrastrukturausgaben hinausgeht. Kritische Schwachstellen direkt im KI-Assistenten dürften Investoren und Unternehmenskunden künftig genauer beobachten lassen, wie Microsoft Tempo bei neuen KI-Funktionen mit der nötigen Absicherung der eigenen Plattform in Einklang bringt.
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