Microsoft treibt seinen KI-Ausbau ungebremst voran. Der Preis dafür zeigt sich jetzt schwarz auf weiß: Der neue Nachhaltigkeitsbericht des Konzerns offenbart einen deutlichen Anstieg der Treibhausgasemissionen. Ausgerechnet während Microsoft weltweit neue Rechenzentren aus dem Boden stampft, gerät das Klimaversprechen für 2030 unter Druck.
Emissionen steigen um ein Viertel
Der am Montag veröffentlichte Nachhaltigkeitsbericht für das Geschäftsjahr 2026 zeigt einen Anstieg der Gesamtemissionen um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Microsoft kam im Fiskaljahr 2025 auf rund 20 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent. Im Jahr zuvor waren es noch 16 Millionen Tonnen.
Verantwortlich dafür ist der Bau und Betrieb neuer Rechenzentren für generative KI-Dienste und die Azure-Cloud. Microsoft-Vertreter betonen, dass der Konzern am Ziel der CO2-Negativität bis 2030 festhält. Der Bedarf an Energie, Wasser und Materialien für KI-Infrastruktur wächst derzeit aber schneller, als sich Nachhaltigkeitslösungen skalieren lassen.
Neue Rechenzentren in Finnland und Wyoming
Der Ausbau geht unterdessen unvermindert weiter. Microsoft hat sich am Dienstag ein neues Rechenzentrum in Finnland gesichert, das der von Oaktree Capital Management finanzierte Betreiber Pure Data Centres errichtet. Das Projekt soll die digitale Infrastruktur für KI-Systeme in ganz Europa stärken.
Parallel dazu ist das Fairwater-Rechenzentrum in Wisconsin jetzt voll in Betrieb. Es beherbergt Hunderttausende spezialisierte Grafikprozessoren. In Cheyenne, Wyoming, plant Microsoft zudem eine Erweiterung um 3.000 Acre Land — ein weiterer Baustein für das US-Rechenzentrumsnetz.
Großbritannien stuft Microsoft als kritisch ein
Die britische Regierung hat Microsoft am Montag offiziell als „kritischen Drittanbieter“ für den Finanzsektor eingestuft. Diese Einstufung gilt auch für andere große Cloud-Anbieter und unterstellt Microsoft künftig der direkten Aufsicht von Bank of England, Prudential Regulation Authority und Financial Conduct Authority.
Ziel der Maßnahme ist mehr Widerstandsfähigkeit im britischen Finanzsystem. Microsoft muss künftig verpflichtende Resilienztests durchlaufen und Vorfälle melden, damit Technikausfälle nicht zu breiten Störungen im Banken- und Versicherungssektor führen.
Support-Ende für ältere Unternehmenssoftware
Am heutigen Dienstag endet zudem der erweiterte Support für mehrere ältere Enterprise-Produkte:
- SharePoint Server 2016 und 2019
- Project Server 2016 und 2019
- SQL Server 2016
Unternehmen, die diese Plattformen weiter nutzen, erhalten keine Sicherheitsupdates mehr. Das erhöht das Risiko, solange sie nicht auf die SharePoint Server Subscription Edition oder Cloud-Alternativen wechseln.
Aktie unter Druck, aber stabilisiert
An der Börse zeigt sich die Aktie zuletzt ruhig. Nach einem Schlusskurs von 344,00 Euro am Montag liegt das Papier binnen sieben Tagen nur 0,32 Prozent im Plus. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Minus von 15,39 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sind es sogar 20,82 Prozent.
Vom 52-Wochen-Tief bei 307,10 Euro, erreicht am 25. Juni, hat sich die Aktie um 11,20 Prozent erholt. Zum Rekordhoch von 478,10 Euro aus dem Oktober 2025 bleibt aber eine Lücke von fast 29 Prozent. Der RSI von 51,6 signalisiert derzeit weder Über- noch Unterverkauf — der Markt tariert die hohen Investitionskosten der KI-Strategie gegen Microsofts starke Stellung in Cloud und Software aus.
Die kommenden Monate dürften zeigen, ob sich der Emissionsanstieg mit dem Klimaziel für 2030 noch vereinbaren lässt. Parallel wächst mit der britischen Regulierung auch der behördliche Druck auf den Cloud-Riesen.
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