KI-gestütztes Programmieren boomt. Für Microsofts Entwicklerplattform GitHub wird dieser Erfolg nun zum logistischen Problem. Die Serverkapazitäten der hauseigenen Cloud Azure reichen offenbar nicht aus. Die Folge: GitHub weicht auf die Infrastruktur des größten Konkurrenten aus.
Azure stößt an seine Grenzen
Um die hohe Nachfrage zu bewältigen, nutzt GitHub aktuell Amazon Web Services (AWS). Ein Microsoft-Sprecher bestätigte eine Multi-Cloud-Strategie. Der rasante Anstieg bei KI-Entwicklungen testet die Limits der Plattform. Langfristig plant der Konzern einen vollständigen Umzug zu Azure bis 2027.
Im Mai verzeichnete GitHub neun Ausfälle. Eine Störung dauerte über eine Stunde und beeinträchtigte abhängige Dienste wie Copilot stark. Das Unternehmen bricht nun seine alte Architektur auf, um solche Fehlerquellen zu beseitigen.
Parallel dazu ändert GitHub die Abrechnung für seinen KI-Assistenten Copilot. Seit dem 1. Juni 2026 gilt ein nutzungsbasiertes Modell. Kunden zahlen nun für verbrauchte Token. Das betrifft Eingaben, Ausgaben und zwischengespeicherte Daten.
Microsoft wälzt damit einen Teil der hohen Rechenkosten auf die Nutzer ab. Das verbessert potenziell die Margen. Der Markt achtet nun genau auf die Akzeptanz der Entwickler.
Starkes Wachstum, hohe Kosten
Finanziell steht das Cloud-Geschäft glänzend da. Im abgelaufenen Quartal stieg der Umsatz in diesem Segment um 29 Prozent auf 54,5 Milliarden US-Dollar. Die Azure-Erlöse kletterten sogar um 40 Prozent.
Die Infrastruktur hinter diesem Wachstum wird jedoch komplexer. Aktionäre reichten kürzlich Klage ein. Sie werfen dem Management irreführende Angaben zum Azure-Wachstum und zu KI-Ausgaben vor. Microsoft weist die Vorwürfe zurück und kündigte rechtliche Gegenwehr an.
Chartbild bleibt eingetrübt
An der Börse spiegelt sich die operative Stärke derzeit nicht wider. Die Microsoft-Aktie schloss am Montag bei 344,75 Euro. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus auf knapp 15 Prozent. Der Kurs notiert aktuell unter der 50-Tage-Linie von 353,36 Euro. Auch der langfristige 200-Tage-Durchschnitt ist nach unten durchbrochen.
Die Auslagerung an Amazon zeigt die aktuelle Kehrseite des KI-Booms. Das Nutzerwachstum übersteigt den Ausbau der eigenen Serverkapazitäten. Solange Microsoft diese logistische Lücke nicht schließt, bleibt die Skalierbarkeit der KI-Dienste ein limitierender Faktor für die Margen.
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