Microsoft streicht rund 4.800 Stellen — 2,1 Prozent der weltweiten Belegschaft. Der Großteil der Kürzungen trifft die Vertriebssparte und das Xbox-Gaming-Geschäft. Die Aktie reagierte am Montag mit einem Rückgang, zeitweise ging es bis auf 381,22 Dollar nach unten, deutlich entfernt vom 52-Wochen-Hoch von 555,45 Dollar.
Personalchefin Amy Coleman informierte die Belegschaft per E-Mail über den Schritt. Offiziell soll der Umbau Ressourcen für Investitionen in die KI-Infrastruktur freisetzen — Stichwort „Frontier Company“-Initiative, mit der Microsoft im Wettbewerb um KI-Führerschaft mithalten will.
Xbox durchläuft den größten Umbau seiner Geschichte
Besonders hart trifft es das Gaming-Geschäft. Xbox-Chefin Asha Sharma kündigte den Abbau von 3.200 Stellen bis zum Geschäftsjahr 2027 an, 1.600 davon mit sofortiger Wirkung. Sharma begründete den Schnitt mit einer aufgeblähten Organisation — manche Entscheidungen mussten bislang 14 Management-Ebenen durchlaufen. Künftig sollen nur noch drei bis fünf Hierarchiestufen bestehen bleiben.
Der Umbau geht über reinen Stellenabbau hinaus. Die Studios Compulsion Games und Double Fine Productions werden eigenständig, Ninja Theory und Undead Labs sollen verkauft werden. Das französische Studio Arkane befindet sich in Konsultationen mit seinem Betriebsrat über eine mögliche Ausgliederung oder einen Verkauf. Sharma räumte ein, dass ein „einjähriger Umbau zusätzliche Herausforderungen“ schaffe, stellte aber für 2027 eine Rückkehr zum Wachstum in Aussicht.
Analysten sorgen sich um die Kapitalrendite
Zum Kursdruck trug ein zweiter Faktor bei. Wolfe Research senkte das Kursziel für Microsoft von 570 auf 525 Dollar, beließ die Einstufung aber bei „Outperform“. Hintergrund ist eine nach oben korrigierte Schätzung für die Investitionsausgaben im Geschäftsjahr 2027 auf 270 Milliarden Dollar — steigende Speicherpreise treiben die Kosten. Als Folge kippte die Prognose für den freien Cashflow von zuvor rund 14,7 Milliarden Dollar auf minus 17,4 Milliarden Dollar.
Diese Kombination trifft einen ohnehin angeschlagenen Sektor. Der Juni brachte den großen Technologiewerten heftige Gewinnmitnahmen, Microsoft-Aktien verloren im Monatsverlauf rund 20 Prozent. Anleger stellen zunehmend die Frage, wann sich die milliardenschweren KI-Investitionen der Branche tatsächlich in Rendite verwandeln.
Der nächste konkrete Prüfstein für den Umbau ist das Geschäftsjahr 2027, das Xbox-Chefin Sharma selbst als Zielmarke für die Rückkehr zum Wachstum genannt hat. Bis dahin bleibt die einjährige Restrukturierung mit ihren gestaffelten Kürzungen in vollem Gange.
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