Microsoft verzichtet auf einen milliardenschweren Ausbau bei Nscale in Texas. Der Konzern nimmt eine Option auf zusätzliche Rechenleistung nicht wahr, die den bestehenden Vertrag mehr als verdoppelt hätte. Für den britischen KI-Infrastrukturanbieter kommt das zur Unzeit, denn er bereitet einen Börsengang vor.

Was hinter der Absage steckt

Es ging um ein mögliches Geschäft im Volumen mehrerer zehn Milliarden Dollar am Standort Ward County. Die Entscheidung soll bereits vor Monaten gefallen sein, noch vor dem Börsengangsantrag im September. Der bestehende Texas-Vertrag bleibt in Kraft, ebenso der im Prospekt ausgewiesene Auftragsbestand von rund 103 Milliarden Dollar.

Es ist nicht der erste Rückzug. Microsoft stieg bereits aus einem Projekt in Großbritannien aus, wo sich die Stromversorgung bis in die 2030er-Jahre verzögert. Nscale muss nun neue Kunden für die Kapazitäten finden und führt dazu nach eigenen Angaben Gespräche mit mehreren Interessenten. Neue Verträge sind für Anbieter wie Nscale entscheidend, um weiter Schulden für den Rechenzentrumsbau aufnehmen zu können.

Die Finanzlage zeigt den Druck: Im ersten Halbjahr 2026 stand einem Umsatz von 141 Millionen Dollar ein Nettoverlust von rund einer Milliarde Dollar gegenüber.

Hyperscaler gegen Neoclouds

Für Microsoft selbst ist die Absage Teil einer breiteren Marktlogik. Nach den Wahlsiegen der Demokraten in wichtigen Rechenzentrumsstaaten rechnen Investoren mit strengeren Genehmigungen. In Texas hat die künftige Gouverneurin Gina Hinojosa ein Moratorium für neue Genehmigungen vorgeschlagen. Bereits laufende Projekte sollen offenbar ausgenommen bleiben.

Die Aktie legte am Mittwoch um 6,7 Prozent auf 555,80 Dollar zu und markierte intraday ein neues Allzeithoch. Der Schlusskurs lag allerdings knapp darunter. Schuldenfinanzierte Anbieter wie CoreWeave verloren dagegen rund 10 Prozent. JPMorgan verweist auf deutlich gestiegene Risikoaufschläge bei Neoclouds, während Hyperscaler mit breiteren Erlösquellen günstiger an Kapital kommen. Bestehende Kapazitäten gewinnen demnach an Wert.

Fundamental stützen die Quartalszahlen den Kurs: Der Umsatz wuchs um 19 Prozent auf 92,3 Milliarden Dollar, Azure legte um 48 Prozent zu. UBS sieht den fairen Wert bei 700 Dollar, TD Cowen bei 650 Dollar.

Marken im Chart

Charttechnisch gilt die Zone um 560 Dollar als Widerstand. Ein nachhaltiger Ausbruch darüber würde ein frisches Kaufsignal liefern, ein Measured Move weist Richtung 685 Dollar. Scheitert die Aktie dort und fällt unter die Unterstützung bei 535 Dollar, würde der jüngste Sprung als Fehlausbruch gelten. Der 50-Tage-Durchschnitt bei rund 510 Dollar wäre dann das nächste Ziel.