NHS England stattet 505.000 Klinikmitarbeiter mit Microsoft 365 Copilot aus. Der Vertrag ist auf rund 120 Millionen Pfund bewertet — einer der größten KI-Aufträge, den der öffentliche Sektor in Großbritannien je vergeben hat. Für Microsoft kommt er zu einem Zeitpunkt, an dem die Aktie trotz starker Fundamentaldaten unter Druck steht.

Der NHS-Deal im Detail

Die Vereinbarung folgt einem Pilotprojekt mit mehr als 30.000 NHS-Mitarbeitern in 90 Organisationen. Das Ergebnis war eindeutig: KI-gestützte Verwaltungsunterstützung spart im Schnitt 43 Minuten pro Person und Tag. Hochgerechnet entspricht das fünf Wochen Arbeitszeit pro Jahr.

Bei einem vollständigen Rollout könnten bis zu 400.000 Stunden Arbeitszeit pro Monat eingespart werden. Der NHS schätzt, dass allein bei 100.000 Nutzern monatlich Millionen Pfund gespart werden könnten.

Die ersten 200.000 Nutzer sollen innerhalb von sechs Monaten onboarding erhalten. Die restlichen 305.000 folgen bis Oktober. Microsoft selbst bezeichnet das als die weltweit größte generative KI-Einführung im Gesundheitswesen.

Copilot Studio als zweite Ebene

NHS-Organisationen erhalten neben der Standard-Lizenz auch Zugang zu Copilot Studio. Damit können Teams eigene Agenten bauen, die Workflows automatisieren — von HR-Anfragen über Beschwerdebearbeitung bis zur Finanzanalyse. NHS England kann Agenten zentral entwickeln; einzelne Trusts können darüber hinaus maßgeschneiderte Lösungen für ihre spezifischen Herausforderungen bauen.

Microsoft treibt parallel Partnerschaften in Gesundheit und Biowissenschaften voran — unter anderem mit Mayo Clinic, First Foundation Labs, Causaly und Cortechs.ai.

Azure-Stellenabbau in China

Während in London ein Großauftrag unterzeichnet wird, baut Microsoft in China ab. Berichten zufolge fallen in Peking und Shanghai zwischen 200 und 400 Azure-Stellen weg. Die betroffenen Mitarbeiter wurden informiert, dass ihre Stellen am 6. Juli enden. Einigen wurde eine Umsetzung nach Kanada angeboten.

Es ist bereits der dritte Stellenabbau in China innerhalb von zwei Jahren. Andere Teams — darunter die DevDiv-Einheit und das Microsoft AI-Team in Shanghai und Suzhou — sind laut Berichten nicht betroffen.

Starke Zahlen, schwacher Kurs

Die Fundamentaldaten sprechen eine klare Sprache. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 erzielte Microsoft einen Umsatz von 82,89 Milliarden Dollar — ein Plus von 18,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Azure wuchs um 40 Prozent. Das KI-Geschäft überschritt eine annualisierte Umsatzrate von 37 Milliarden Dollar, ein Anstieg von 123 Prozent.

Der Kurs spiegelt das kaum wider. Die Aktie notiert bei 344,95 Euro und liegt damit fast 28 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Der RSI von 41,1 zeigt eine technisch angeschlagene Stimmung.

Ein Grund für die Zurückhaltung: Microsoft plant für 2026 Investitionsausgaben von rund 190 Milliarden Dollar — 61 Prozent mehr als im Vorjahr. CFO Amy Hood verwies dabei auf einen erwarteten Mehraufwand von 25 Milliarden Dollar durch höhere Komponentenpreise.

Hinzu kommt die quartalsweise Dividende von 0,91 Dollar je Aktie, die heute an die Aktionäre ausgezahlt wird.

Der NHS-Vertrag liefert etwas, das im KI-Markt selten ist: unabhängig verifizierte Produktivitätsdaten und einen fest zugesagten Millionenbetrag. Ob das reicht, um das Verhältnis zwischen Capex-Last und Kursentwicklung zu verschieben, wird sich spätestens zeigen, wenn die Nutzerzahlen im Oktober vollständig ausgerollt sind und erste Effizienzberichte vorliegen.