Microsoft ist der größte Geldgeber von OpenAI – und muss nun zusehen, wie sein wichtigster KI-Partner ins eigene Kerngeschäft vordringt. Auf seiner Entwicklerkonferenz DevDay in San Francisco stellte OpenAI diese Woche ChatGPT Space vor, einen Arbeitsraum für Dokumente, Präsentationen und Teamwissen. Das Revier von Word, PowerPoint und Teams.

Kern der neuen Produktwelt sind sogenannte Dots: KI-Agenten, die eigenständig arbeiten, auf einen Cloud-Rechner zugreifen und sich mit mehr als 4.000 Anwendungen verbinden lassen. Per Plugin sollen zudem komplette Anwendungen direkt in ChatGPT laufen.

Investor und Konkurrent zugleich

Die Konstellation ist heikel. Microsoft hält rund 27 Prozent an OpenAI, ein Paket, das im Oktober 2025 mit 135 Milliarden Dollar bewertet wurde. Bis 2030 stehen dem Konzern zudem Anteile an den OpenAI-Umsätzen zu, allerdings begrenzt durch eine Obergrenze. Einen exklusiven Zugriff auf OpenAIs Technologie gibt es seit April nicht mehr — seither darf das KI-Labor seine Modelle auch über fremde Rechenzentren vertreiben.

Trotz der Konkurrenzsituation verdient Microsoft an jedem ChatGPT-Abo mit. Ein Wechsel der Großkunden weg von Word, Excel und Teams dürfte zudem nicht über Nacht passieren — die Bindung an bestehende Microsoft-Infrastruktur ist tief. Der Konzern reagierte trotzdem umgehend: Firmen sollen die neuen Dots künftig über Agent 365 steuern können, Microsofts Schaltzentrale für KI-Agenten, für 15 Dollar je Nutzer und Monat.

Fabric baut Partnernetz weiter aus

Während im DevDay-Umfeld Spannungen sichtbar werden, wächst das Ökosystem rund um Microsoft Fabric weiter. Die Datenbankfirma ClickHouse kündigte eine deutlich vertiefte Zusammenarbeit an: eine native Workload für Fabric, allgemein verfügbaren Lesezugriff auf OneLake, eine öffentliche Vorschau für Schreibzugriffe sowie die Aufnahme des eigenen Cloud-Angebots in den Microsoft Marketplace.

Auch der Location-Intelligence-Anbieter TomTom bindet seine Kartendaten künftig über die neue IQ-Sharing-Funktion in Fabric und Microsoft Foundry ein, ebenfalls Marketplace-gelistet und auf bestehende Azure-Vertragsvolumen anrechenbar.

Beide Ankündigungen unterstreichen, wie stark Microsoft OneLake als zentrale Datenschicht für Partner positioniert — parallel zur wachsenden Konkurrenz durch den eigenen Großinvestor.

Am Dienstagabend traf sich die Tech-Spitze inklusive Microsoft-Chef Satya Nadella zudem im Weißen Haus mit Präsident Trump, während zeitgleich OpenAI-Präsident Greg Brockman zwischen DevDay und Regierungssitzung pendelte. Im Zentrum der Runde standen Sicherheitsbedenken rund um autonome KI-Agenten — just jene Technologie, die nun auch Microsofts Bürosoftware herausfordert.