Microsoft erlebt an der Börse ein bisher schwieriges Jahr 2026. Das operative Geschäft brummt, aber der Aktienkurs schwächelt. Im Hintergrund braut sich indes ein gigantischer Zahltag zusammen. Das geplante Börsendebüt von OpenAI könnte einen dreistelligen Milliardenbetrag in die Kassen der Redmonder spülen.

OpenAI hat bei der US-Börsenaufsicht erste vertrauliche Dokumente für ein Initial Public Offering eingereicht. Ein Debüt auf dem Parkett rückt damit näher. Laut Medienberichten zielt CEO Sam Altman nun auf das Jahr 2027 ab. Sein Ziel: eine Firmenbewertung von mindestens einer Billion Dollar.

Microsoft hält aktuell rund 27 Prozent an dem ChatGPT-Entwickler. Bei einer angestrebten Billionen-Bewertung wäre dieses Paket 270 Milliarden Dollar wert. Das entspräche fast zehn Prozent der gesamten Microsoft-Marktkapitalisierung.

Enge Verflechtung birgt Risiken

Der Weg zum Mega-Börsengang verläuft nicht ohne Hürden. Zeitplan und Preis sind bisher reine Absichtserklärungen. OpenAI wird voraussichtlich weiteres Kapital benötigen. Neue Finanzierungsrunden verwässern den Anteil von Microsoft unweigerlich.

Beide Unternehmen sind finanziell extrem eng verzahnt. Microsoft sicherte sich die Rechte an der OpenAI-Technologie bis ins Jahr 2032. Im Gegenzug verpflichtete sich das KI-Unternehmen zum Kauf von Azure-Cloud-Diensten. Das zugesicherte Volumen beläuft sich auf gigantische 250 Milliarden Dollar.

Eine Kehrseite existiert ebenfalls. Die anhaltenden Nettoverluste von OpenAI fließen direkt in die Bilanzen von Microsoft ein. Das belastet die Stimmung der Investoren zunehmend.

Kursschwäche trotz Wachstum

Die operative Realität weicht massiv von der Kursentwicklung ab. Anleger zahlen für das Papier derzeit 338,05 Euro. Damit steht seit Jahresbeginn ein Minus von gut 16 Prozent auf der Anzeigetafel.

Dabei wächst das eigentliche Geschäft rasant weiter. Im abgelaufenen Geschäftsquartal stieg der Umsatz um 18 Prozent auf knapp 83 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie legte sogar um 23 Prozent zu. Treiber war einmal mehr das florierende Cloud-Segment.

Die Kombination aus zweistelligem Wachstum und fallenden Kursen drückt die Bewertung. Microsoft handelt aktuell nur noch mit dem 23-fachen des erwarteten Gewinns. Das ist ein deutlicher Abschlag gegenüber den Spitzenzeiten des jüngsten KI-Booms.

Milliarden-Schub durch Anthropic

Analysten werten den OpenAI-Anteil lediglich als willkommenen Bonus. Das eigentliche Potenzial liegt im breiteren Cloud-Geschäft. Auch andere KI-Schwergewichte füllen die Auftragsbücher der Redmonder in rasantem Tempo. Anthropic könnte laut Schätzungen bis 2030 jährlich 43 Milliarden Dollar für Azure-Dienste ausgeben.

Die Aktie notiert aktuell rund zehn Prozent über ihrem Jahrestief. Hält das fundamentale Umsatzwachstum von 18 Prozent an, bietet das komprimierte Bewertungsniveau konkreten Spielraum für eine Aufholjagd in der zweiten Jahreshälfte.