Microsoft, Alphabet & Micron: Wenn Milliardenklagen und Chipdeals die Tech-Hierarchie neu sortieren

Elon Musk fordert 134 Milliarden Dollar von OpenAI und Microsoft. Google wehrt sich gegen Monopol-Auflagen, während Micron eine Chipfabrik in Taiwan übernimmt und Nvidia mit China-Exportproblemen kämpft.

Microsoft, Alphabet & Micron: Wenn Milliardenklagen und Chipdeals die Tech-Hierarchie neu sortieren
Kurz & knapp:
  • Musk verklagt OpenAI und Microsoft auf Rekordsumme
  • Google legt Berufung gegen Kartell-Urteil ein
  • Micron kauft taiwanesische Chipfabrik für 1,8 Milliarden
  • Nvidia mit Exportblockade für H200-Chips in China

Liebe Leserinnen und Leser,

134 Milliarden Dollar – diese Zahl steht seit Freitag im Raum und könnte die Machtverhältnisse im KI-Geschäft grundlegend verschieben. Elon Musk fordert diese Rekordsumme von OpenAI und Microsoft als Entschädigung für seinen frühen Beitrag zur KI-Firma. Während sich die einen vor Gericht streiten, investieren andere Milliarden in neue Produktionskapazitäten: Micron kauft für 1,8 Milliarden Dollar eine Chipfabrik in Taiwan. Und Google? Kämpft gegen ein Monopol-Urteil, das die Geschäftsgrundlage des Suchmaschinenriesen bedroht. Drei Geschichten, die zeigen: Im Tech-Sektor wird gerade neu verhandelt, wer wie viel Kontrolle über die Zukunft hat.

Musks 134-Milliarden-Rechnung: Wenn aus 38 Millionen ein Vermögen werden soll

Die Zahlen klingen absurd – und sind es vielleicht auch. Elon Musk verlangt von OpenAI zwischen 65,5 und 109,4 Milliarden Dollar, von Microsoft weitere 13,3 bis 25,1 Milliarden. Grundlage: seine ursprüngliche Investition von 38 Millionen Dollar, die etwa 60 Prozent der frühen Finanzierung ausmachte. Musks Argument laut den am Freitag eingereichten Gerichtsdokumenten: Er sei durch falsche Versprechen dazu bewegt worden, OpenAI zu unterstützen – als gemeinnützige Organisation. Stattdessen habe sich das Unternehmen in ein gewinnorientiertes System verwandelt, während er leer ausging.

OpenAI kontert scharf und spricht von einer „Belästigungskampagne“. In einem Blogpost wirft die Firma Musk vor, Beweise selektiv zu zitieren. Tatsächlich habe er bereits 2017 einer gewinnorientierten Struktur zugestimmt – die Verhandlungen seien nur gescheitert, weil Musk absolute Kontrolle und eine Eingliederung in Tesla gefordert habe. Microsoft erklärt, es gebe keinerlei Beweise für eine Unterstützung eines angeblichen Vertragsbruchs. Beide Unternehmen fordern das Gericht auf, die von Musks Experten errechneten Schadenssummen als „unverifizierbar und erfunden“ vom Prozess auszuschließen.

Die Microsoft-Aktie zeigte sich am Freitag unbeeindruckt und legte um 0,70 Prozent auf 459,86 Dollar zu. Der Prozessauftakt ist für April 2026 angesetzt – genug Zeit für weitere juristische Scharmützel. Doch hinter der Fassade geht es um mehr als Geld: um die Frage, wer die KI-Revolution kontrolliert und zu welchen Bedingungen.

Google gegen das Kartellamt: Berufung mit begrenzten Erfolgsaussichten

Während Musk um Milliarden streitet, kämpft Google um sein Geschäftsmodell. Am Freitag legte Alphabet offiziell Berufung gegen das Monopol-Urteil von US-Richter Amit Mehta ein. Der Vorwurf: Google habe seine Marktmacht missbraucht, um Wettbewerber von der Suchmaschine fernzuhalten. Die verhängten Auflagen sind empfindlich: Google muss Suchdaten mit Rivalen teilen und darf keine langfristigen Exklusivverträge mehr für die Standardsuche abschließen.

In einem Blogpost argumentiert Lee-Anne Mulholland, Vice President of Regulatory Affairs bei Google, dass die Menschen Google „weil sie es wollen, nicht weil sie dazu gezwungen werden“ nutzen. Das Gericht habe den rasanten Innovationszyklus und den Wettbewerbsdruck durch KI-Startups ignoriert. Besonders kritisch sieht Google die Pflicht, Suchdaten weiterzugeben – das gefährde den Datenschutz und nehme Konkurrenten den Anreiz, eigene Produkte zu entwickeln.

Trotz der juristischen Unsicherheit feierte Alphabet diese Woche einen historischen Meilenstein: Am Montag erreichte der Konzern als erst viertes Unternehmen weltweit eine Marktkapitalisierung von 4 Billionen Dollar. Getrieben wurde die Rallye durch die Begeisterung für das KI-Modell Gemini und eine neue Partnerschaft mit Apple, bei der Gemini künftig Kernfunktionen von Siri unterstützen soll. Die Alphabet C-Aktie gab am Freitag leicht um 0,85 Prozent nach und schloss bei 330,34 Dollar. Analysten bewerten die Auflagen als moderat – die befürchtete Zerschlagung blieb aus.

Micron investiert 1,8 Milliarden: Wenn Chipnachfrage Fabrikdeals antreibt

Während sich die Software-Giganten vor Gericht streiten, setzt Micron auf handfeste Expansion. Der Speicherchip-Hersteller gab bekannt, die P5-Fabrik von Powerchip Semiconductor in Taiwan für 1,8 Milliarden Dollar in bar zu übernehmen. Die 300.000 Quadratfuß große 300mm-Cleanroom-Anlage soll helfen, die wachsende globale Nachfrage nach Speicherlösungen zu decken. Der Deal soll bis zum zweiten Quartal 2026 abgeschlossen sein.

Die Tongluo-Fabrik liegt in der Nähe von Microns bestehendem Standort in Taichung – eine bewusste Entscheidung, um operative Synergien zu schaffen. Nach Abschluss übernimmt Micron die Kontrolle über das Gelände, während Powerchip seine Operationen über einen festgelegten Zeitraum verlagert. Micron erwartet, dass die Fabrik ab der zweiten Jahreshälfte 2027 zu einer „bedeutenden DRAM-Waferproduktion“ beiträgt. Zusätzlich soll eine langfristige Partnerschaft für die Nachbearbeitung und Unterstützung von Powerchips Legacy-DRAM-Portfolio entstehen.

Die Akquisition ergänzt Microns globale Expansionspläne, zu denen auch ein 100-Milliarden-Dollar-Halbleiterkomplex in New York gehört – die größte private Investition in der Geschichte des Bundesstaates. Mit 50.000 erwarteten Arbeitsplätzen und einem Produktionsstart 2030 zeigt Micron, dass es den langfristigen Nachfrageboom ernst nimmt. Analysten haben zuletzt ihre Kursziele angehoben: RBC Capital vergab ein „Outperform“-Rating, Cantor Fitzgerald und KeyBanc setzten das Ziel auf 450 Dollar – getrieben von der Annahme, dass die starke Nachfrage nach KI-Anwendungen und enge Marktbedingungen bis 2027 anhalten.

Nvidia unter Druck: Wenn Chinas Zoll die KI-Rally ausbremst

Nicht alle Chip-Nachrichten sind positiv. Nvidia kämpft mit einem unerwarteten Importverbot in China. Laut Financial Times haben Zollbeamte in Shenzhen Logistikfirmen angewiesen, keine Anträge auf Zollabfertigung für H200-Chips mehr zu stellen. Die Blockade traf die Branche überraschend – erst im vergangenen Monat hatte US-Präsident Donald Trump Signale für eine Exportgenehmigung der älteren Chip-Generation gegeben. Doch als die ersten Lieferungen in Hongkong eintrafen, stoppte der chinesische Zoll die Abfertigung fürs Festland.

Die Reaktion in der Lieferkette war unmittelbar: Hersteller von Bauteilen, die spezifisch für den H200 entwickelt wurden, haben laut FT die Produktion gestoppt. Besonders betroffen sind Anbieter von spezialisierten Leiterplatten. Hinter den Kulissen scheint ein Kompetenzstreit zwischen verschiedenen chinesischen Regierungsbehörden die Lage zu verkomplizieren. Während Tech-Konzerne die Nvidia-Chips bevorzugen, drängt Peking auf heimische Halbleiter. Diskutiert werden Lizenzsysteme oder feste Quoten für importierte Hardware.

Viele chinesische Kunden stornieren laut FT ihre H200-Bestellungen und weichen auf leistungsstärkere Modelle wie den B200 oder B300 aus – deren Export offiziell untersagt ist. Ein aktiver Schwarzmarkt für diese Hochleistungschips floriert bereits. Die Nvidia-Aktie notierte am Freitag bei 186,23 Dollar, ein Minus von 0,44 Prozent. Anleger blicken nun auf den 25. Februar, wenn Nvidia seine Bilanz für das vierte Quartal vorlegt. Die Frage: Wie stark wird China als Absatzmarkt wegbrechen?

Was deutsche Anleger jetzt wissen sollten

Die Tech-Welt sortiert sich neu – und das nicht nur an den Börsen, sondern auch in Gerichtssälen und Regierungsbüros. Musks Klage gegen OpenAI und Microsoft mag überzogen wirken, doch sie wirft grundsätzliche Fragen auf: Wer profitiert von KI-Durchbrüchen, die mit öffentlichen Versprechen und privaten Mitteln finanziert wurden? Googles Monopol-Prozess zeigt, dass auch dominante Marktpositionen nicht mehr selbstverständlich sind. Und Nvidias China-Problem verdeutlicht, wie schnell geopolitische Spannungen selbst die heißesten Tech-Rallyes abkühlen können.

Microns Fabrik-Deal ist ein Kontrapunkt: Während andere streiten, investiert der Konzern in physische Kapazitäten für eine Zukunft, in der Speicherchips knapp bleiben dürften. Für Anleger bedeutet das: Diversifikation bleibt entscheidend. Wer nur auf Software-Giganten setzt, übersieht die Hardware-Basis der KI-Revolution – und umgekehrt.

In den kommenden Wochen dürften weitere Entwicklungen folgen: Der Supreme Court wird über Trumps Macht gegenüber der Fed entscheiden, was indirekt auch Tech-Bewertungen beeinflussen könnte. Und Nvidias Quartalszahlen Ende Februar werden zeigen, ob die China-Sorgen berechtigt sind oder übertrieben. Bis dahin bleibt die Gemengelage komplex – und spannend.

Einen entspannten Samstag wünscht

Andreas Sommer

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