Die Veröffentlichung des neuen KI-Videomodells H3 hat am heutigen Mittwoch für deutliche Kursgewinne bei MiniMax gesorgt. Das Papier kletterte im Tagesverlauf um 9,73 % auf 28,20 €. Das enorme Investoreninteresse folgt auf die Nachricht, dass mehr als 100 Partner das Modell innerhalb der ersten 24 Stunden nach Release in ihre Systeme integriert haben. Unter den Unternehmen, welche die Technologie bereits adaptiert haben, befinden sich namhafte Chiphersteller wie Huawei Ascend, Moore Threads, AMD und Intel.

Technologischer Sprung und offensive Preisstrategie

Das Modell H3 setzt neue Maßstäbe in der KI-gestützten Videoproduktion und belegt in unabhängigen Tests von Artificial Analysis bereits den ersten Platz im Bereich Video-Editing. Die Software ist in der Lage, 15-sekündige Clips in 2K-Auflösung mit nativen Stereo-Audiospuren zu generieren. Dabei verarbeitet das System komplexe Eingaben von bis zu 7.000 Zeichen sowie Kombinationen aus mehreren Bildern und Videos.

MiniMax verfolgt bei der Markteinführung eine aggressive Preispolitik: Die Gebühren für die Nutzung der Programmierschnittstelle liegen bei lediglich einem Drittel der Kosten vergleichbarer Wettbewerber. Diese Strategie veranlasste die Analysten von Goldman Sachs dazu, ihre Umsatzprognose für das Unternehmen im Jahr 2026 um 63 % anzuheben. Während Goldman Sachs die Aktie mit einem Kursziel von 800 Hong-Kong-Dollar zum Kauf empfiehlt, ordnet das Analysehaus Jefferies den Wert mit einem Ziel von 1118 Hong-Kong-Dollar noch optimistischer ein.

Aufnahme in den Stock Connect verbessert Marktbreite

Zusätzlichen Auftrieb erhält die Aktie durch die offizielle Aufnahme in den Hong Kong Stock Connect. Diese Regelung wird am morgigen Donnerstag wirksam und ermöglicht Anlegern vom chinesischen Festland den direkten Handel mit den Titeln des KI-Spezialisten. Die verbesserte Liquidität trifft auf ein Unternehmen mit einer starken operativen Dynamik: Im Februar 2026 beliefen sich die jährlich wiederkehrenden Umsätze (ARR) bereits auf 1,5 Milliarden US-Dollar.

Parallel dazu treibt das Management die Expansion am Kapitalmarkt voran. MiniMax hat Vorbereitungen für einen A-Share-Börsengang am STAR Market eingeleitet und dazu eine Vereinbarung mit CITIC Securities unterzeichnet. Dies folgt auf das Listing in Hongkong im Januar 2026. Trotz der aktuellen Erholungsbewegung notiert die Aktie mit einem Preis von 28,20 € noch immer rund 80,55 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 145,00 €, das Mitte März erreicht wurde.

Rechtliche Konflikte führen zu regionalen Sperren

Überschattet wird der technologische Erfolg jedoch von juristischen Auseinandersetzungen in westlichen Märkten. MiniMax hat die freie Nutzung der Modellgewichte von H3 in den USA, der Europäischen Union, Großbritannien und Südkorea ausdrücklich untersagt. In diesen Regionen müssen Entwickler eine formelle Lizenz beantragen. Hintergrund sind laufende Urheberrechtsklagen der Hollywood-Studios Disney, Universal und Warner Bros. gegen das Unternehmen.

Die Kläger werfen MiniMax vor, mit seiner Plattform Hailuo geschützte Inhalte ohne Genehmigung für das Training der Modelle verwendet zu haben. Ein US-Gericht hatte erst im Mai einen Antrag des Unternehmens auf Abweisung der Klage abgelehnt. Während der kostenpflichtige API-Zugang weltweit verfügbar bleibt, verdeutlicht die geografische Einschränkung der Open-Weight-Lizenz die zunehmenden regulatorischen und rechtlichen Hürden für chinesische KI-Entwickler auf internationaler Ebene.