Moderna treibt die Kommerzialisierung seiner Produktpalette jenseits von COVID-19 voran. Mit mFlusiva ist der erste zugelassene mRNA-Grippeimpfstoff in den USA an mehr als 13.000 Impfstellen angelaufen.
Das Vakzin steht Erwachsenen ab 50 Jahren zur Verfügung, wobei die US-Gesundheitsbehörde FDA für die Gruppe der 50- bis 64-Jährigen ein reguläres und für Menschen ab 65 Jahren ein beschleunigtes Zulassungsverfahren angewendet hat.
An der zugrundeliegenden Studie nahmen über 40.000 Personen teil. In der Grippesaison 2024–2025 erwies sich das Präparat als rund 27 Prozent wirksamer im Vergleich zu einem herkömmlichen Standard-Grippeimpfstoff.
Die breite Markteinführung markiert einen operativen Meilenstein für den Konzern, der sein Profil als breit aufgestelltes mRNA-Plattformunternehmen schärfen will.
CEO Stéphane Bancel betonte am Mittwoch bei einer Konferenz des Analysehauses Bernstein, das Portfolio ruhe inzwischen auf den drei Säulen Atemwegsimpfstoffe, Onkologie sowie seltene Krankheiten. Mit fünf zugelassenen Impfstoffen und zwei Markteinführungen im Jahr 2026 soll die Abhängigkeit vom ursprünglichen Pandemiegeschäft überwunden werden.
Herausforderungen bei der Skalierung in der Onkologie
Parallel zum Rollout des Grippeimpfstoffs richtet sich das Augenmerk der Marktteilnehmer auf das Krebsimpfstoffprogramm. Die Ankündigung der Phase-3-Daten zum Hoffnungsträger Intismeran autogene gegen Melanome sorgte bereits für deutliche Kursbewegungen.
Vollständige Ergebnisse der gemeinsam mit Merck durchgeführten INTerpath-001-Studie an 1.137 Patienten sollen am 24. Oktober 2026 auf dem ESMO-Kongress vorgestellt werden. Beide Partner teilen Kosten und Gewinne des Projekts zu gleichen Teilen.
Branchenexperten verweisen jedoch auf die logistischen und finanziellen Hürden dieser neuartigen Behandlungsansätze. Glenn Hunzinger, Leiter des US-Gesundheitsbereichs bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC, hob am heutigen Freitag hervor, dass personalisierte mRNA-Krebstherapien die bestehenden Lieferketten grundlegend verändern.
Da jeder Wirkstoff individuell auf das Mutationsprofil des jeweiligen Tumors zugeschnitten wird, erfordert die Skalierung eine Anpassung der Fertigungsprozesse sowie neue Vergütungsmodelle im Dialog mit den Kostenträgern.
Divergierende Einschätzungen an der Wall Street
Die finanzielle Tragfähigkeit des Umbaus wird am Markt unterschiedlich beurteilt. Das Analysehaus William Blair bezifferte das Spitzenumsatzpotenzial der Melanomindikation auf bis zu 5,4 Milliarden US-Dollar. Auf der anderen Seite stufte Rothschild & Co die Aktie vor rund zwei Wochen auf „Sell“ herab und verwies auf Bewertungsrisiken sowie die angespannte Finanzlage bei anhaltendem Mittelabfluss.
An der Börse notiert das Papier nach einer kräftigen Aufwärtsbewegung der vergangenen Monate aktuell bei 170,46 Euro und liegt damit nur noch 2,3 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 174,48 Euro. Für den weiteren Kursverlauf dürften neben der Akzeptanz von mFlusiva im laufenden Herbst vor allem die detaillierten Melanom-Studiendaten im Oktober richtungsweisend sein.
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