Eine beispiellose Explosion der Schwefelpreise auf über 1.000 US-Dollar je Tonne setzt den US-Düngemittelkonzern Mosaic unter massiven operativen Druck. Die drastische Verteuerung des unverzichtbaren Rohstoffs zwingt das Unternehmen zu weitgehenden Drosselungen der Phosphatdünger-Produktion an mehreren zentralen Standorten. Am gestrigen Freitag gab die Aktie um 3,5 Prozent auf 21,34 Euro nach.
Die weltweiten Lieferketten für die Düngemittelherstellung stehen vor einer schweren Zerreißprobe. Weil elementarer Schwefel ein wesentlicher Einsatzstoff für den Aufschluss von Phosphatgestein ist, schlägt der Preissprung unmittelbar auf die Wirtschaftlichkeit durch. Wenn sich ein elementarer Grundstoff innerhalb kurzer Zeit vervielfacht, geraten selbst großvolumige Verarbeitungsmodelle ins Wanken.
Stillstände und Kürzungen in den USA
In den Vereinigten Staaten reagierte das Management mit drastischen Maßnahmen auf die Engpässe. Mosaic drosselte die Betriebsaktivitäten in Florida und Louisiana um rund 50 Prozent. Für die Herstellung einer Tonne Phosphatdünger benötigt das Unternehmen rund 0,4 Tonnen Schwefel, wodurch sich die Materialkosten extrem verteuert haben. In Louisiana wurden bereits zwei Werke vorübergehend stillgelegt.
Auch das internationale Geschäft des Konzerns ist unmittelbar erfasst. In Brasilien sieht sich die Unternehmenstochter Mosaic Fertilizantes mit einer vergleichbaren Kostenkrise konfrontiert, da die lokalen Produktionskosten das erzielbare Marktpreisniveau inzwischen vielerorts übersteigen.
Werksschließungen und Stellenabbau in Brasilien
Um den Mittelabfluss einzudämmen, fährt das Unternehmen die Produktion in mehreren brasilianischen Bundesstaaten herunter. Für den Standort Araxá im Bundesstaat Minas Gerais wird inzwischen ein Käufer gesucht, während dort und im benachbarten PatrocÃnio bis zu 1.200 Stellenstreichungen im Raum stehen. Weitere Einschnitte betreffen die Standorte Catalão mit rund 650 und Candeias mit etwa 500 Entlassungen.
Die dortige Gewerkschaft Sindicato Metabase de Minas Gerais wies auf die weitreichenden Belastungen für die Belegschaften hin und kritisierte die Verhandlungsführung des Konzerns bei Sonderzahlungen. Die Aussetzung ganzer Fertigungslinien verdeutlicht das Ausmaß der Krise im südamerikanischen Agrarmarkt, der stark auf bezahlbare Düngemittellieferungen angewiesen ist.
Zweites Quartal von Verlusten gezeichnet
Die operative Misere spiegelt sich bereits in den Finanzergebnissen wider. Im zweiten Quartal 2026 verbuchte Mosaic bei einem Umsatz von 2,8 Milliarden US-Dollar einen Nettoverlust von 273 Millionen US-Dollar. Allein im Phosphat-Segment belief sich der operative Fehlbetrag auf 104 Millionen US-Dollar, nachdem der Bereich im Vorjahresquartal noch deutlich geringere Verluste verzeichnet hatte.
Auch der freie Cashflow rutschte im zweiten Jahresviertel mit 153 Millionen US-Dollar tief in den negativen Bereich. Als Konsequenz kürzte das Unternehmen die geplanten Investitionsausgaben für das laufende Gesamtjahr auf 1,2 Milliarden US-Dollar.
Wegen der anhaltenden Rohstoffknappheit und der unklaren Versorgungslage zog Mosaic zudem die Produktionsprognose für das Phosphat-Geschäft im Gesamtjahr 2026 zurück. Die Unsicherheit über die Dauer der Schwefelkrise belastet die Erholungsperspektiven des Unternehmens spürbar. An den Märkten spiegelt sich diese Skepsis deutlich wider: Das Papier notiert mittlerweile 33 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch.
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