Mutares hat ein Problem mit seiner eigenen Anleihebedingung — und arbeitet gleichzeitig an einem ehrgeizigen Wachstumskurs. Der Spagat zwischen Schuldenabbau, Dividendenversprechen und US-Expansion prägt das Bild des Beteiligungsunternehmens in diesem Jahr.
Covenant verfehlt, Gläubiger stimmen zu
Zum Jahresende 2025 riss Mutares eine zentrale Finanzkennzahl: Das Verhältnis von Konzern-Nettoverschuldung zu Konzern-Eigenkapital lag außerhalb der in den Anleihebedingungen der Anleihen 2023/2027 und 2024/2029 vereinbarten Grenzen. Ursachen waren Bewertungseffekte, weniger abgeschlossene Transaktionen im vierten Quartal sowie deutlich gestiegene Leasingverbindlichkeiten.
Das Unternehmen bat die Anleihegläubiger schriftlich um Verzicht auf die Einhaltung — und erhielt breite Zustimmung. Die Überprüfung der Kennzahl ist bis zum 29. Juni 2026 ausgesetzt. Bis dahin soll der Covenant durch die bereits unterzeichneten Akquisitionen von Wärtsilä Gas Solutions und dem ETP-Geschäft von SABIC wieder eingehalten und signifikant unterschritten werden.
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Anleihen sollen schrumpfen, Dividende trotzdem fließen
Per Ende 2025 stehen Anleihen mit einem Volumen von 385 Millionen Euro aus. Bis Jahresende 2026 soll dieser Betrag auf 250 bis 300 Millionen Euro sinken. Allein im laufenden Quartal sind mindestens 25 Millionen Euro Rückkäufe aus der Anleihe 2023/2027 geplant, in jedem Folgequartal weitere mindestens 25 Millionen Euro.
Trotz des Schuldendrucks schlägt der Vorstand für das Geschäftsjahr 2025 eine Basisdividende von 2,00 Euro je Aktie vor — zur Abstimmung auf der Hauptversammlung im Juli 2026. Bei wesentlichen Exit-Erlösen soll eine zusätzliche Performance-Dividende folgen.
Das Geschäftsjahr 2025 lieferte dafür eine solide Grundlage. Der Jahresüberschuss der Holding kletterte auf 130,4 Millionen Euro, nach 108,3 Millionen Euro im Vorjahr. Der Konzernumsatz erreichte 6,5 Milliarden Euro. Wesentlicher Treiber war der Exit bei Steyr Motors — mit einem Bruttoerlös von über 170 Millionen Euro die erfolgreichste Einzelinvestition der Unternehmensgeschichte.
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Exit-Programm und US-Expansion als Wachstumshebel
Für 2026 sollen die Exit-Erlöse deutlich über dem Vorjahresniveau von rund 230 Millionen Euro Bruttoerlös liegen. Besonderes Potenzial sieht Mutares bei Beteiligungen aus den Bereichen Defense, Energie und Energieinfrastruktur — konkret bei Magirus und der niederländischen NEM Energy Group.
Parallel dazu treibt das Unternehmen seine Nordamerika-Strategie voran. Nach Chicago ist ein zweiter US-Standort geplant. Die Akquisitionspipeline umfasst Ziele mit einem Gesamtumsatzvolumen von rund 4,8 Milliarden Euro. Rund 80 Prozent des Erlöses aus der jüngsten Kapitalerhöhung — insgesamt rund 105 Millionen Euro aus der Ausgabe von etwa 4,27 Millionen neuen Aktien zu je 24,50 Euro — sollen in US-Zukäufe fließen.
Die Jahresprognose sieht einen Konzernumsatz zwischen 7,9 und 9,1 Milliarden Euro sowie einen Holding-Jahresüberschuss von 165 bis 200 Millionen Euro vor. Mittelfristig peilt Mutares bis 2030 ein jährliches Wachstum von mindestens 25 Prozent an — und will die früheren Ziele von 10 Milliarden Euro Umsatz und 200 Millionen Euro Jahresüberschuss, ursprünglich für 2028 angesetzt, deutlich früher erreichen. Der entscheidende Test kommt schon am 29. Juni: Dann zeigt sich, ob der Covenant-Verstoß Geschichte ist.
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