Der größte Börsengang der Geschichte trifft auf ein System, das unter Hochdruck steht. SpaceX debütiert am Freitag mit einer angestrebten Marktkapitalisierung von 75 Milliarden Dollar — und Nasdaq trägt dabei die technische Hauptverantwortung.
Narben von 2012
Die Erinnerung an Facebooks Börsengang 2012 sitzt noch tief. Nasdaq, damals für die Abwicklung zuständig, zahlte knapp 42 Millionen Dollar an betroffene Marktteilnehmer, die kollektiv auf rund 500 Millionen Dollar Verluste kamen. Die SEC verhängte zusätzlich eine Geldstrafe von 10 Millionen Dollar. Dieses Erbe treibt die Vorbereitungen heute an.
Nasdaq hat seitdem seine Handelssysteme grundlegend überarbeitet, die IPO-Kerntechnologie Bookviewer modernisiert und eine Backup-Handelsplattform eingerichtet. Über den vergangenen Monat lud die Börse Kunden zu Wochenend-Tests ein — simulierte Mini-IPOs, um Systeme und Prozesse unter realistischen Bedingungen zu prüfen. Parallel liefen intensive Stresstests bei Marktmachern wie Citadel Securities und Jane Street, die multiple interne Simulationen für das erwartete Auftragsvolumen durchführten.
Unbekanntes Terrain
Was diesen Börsengang besonders anspruchsvoll macht: SpaceX reservierte einen ungewöhnlich großen Anteil der Aktien für Privatanleger. Das geschieht ausgerechnet in einem Moment, in dem Big-Tech-Werte unter Druck stehen — Bedenken über eine überhitzte KI-Rally sorgen für Nervosität.
S&P Global, das die Technologie für institutionelle Zuteilungen bereitstellt, hat seine Kapazitäten in den vergangenen sechs Wochen um 200 Prozent ausgebaut. „Wir haben noch nie etwas in dieser Größenordnung gesehen“, sagte Darren Thomas, Head of Enterprise Solutions bei S&P Global Market Intelligence. Morgan Stanley übernimmt als Stabilisierungsagent die Aufgabe, einen geordneten Handelsstart zu gewährleisten.
Für Nasdaq selbst ist ein reibungsloser Ablauf mehr als ein operativer Erfolg — es wäre der Beweis, dass die Börse aus einem ihrer teuersten Fehler gelernt hat. Gelingt der Start sauber, dürfte das auch Anthropic und OpenAI Mut machen, die noch 2026 mit eigenen Börsengängen folgen sollen.
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