Der Chipkonzern Navitas Semiconductor erweitert sein Portfolio für Hochspannungsanwendungen. Das klingt nach Zukunft – doch die Finanzlage bleibt angespannt.

Das neue UHV-TO-247-4-ISO-Gehäuse für 1.200 bis 3.300 Volt starke Siliziumkarbid-Chips soll die Effizienz in Stromnetzen, Energiespeichern und KI-Rechenzentren verbessern. Mit über zwölf Millimetern Kriechstrecke und mehr als 6.000 Volt integrierter Isolation adressiert Navitas die wachsenden Energieanforderungen moderner KI-Infrastruktur.

Doch parallel zur Produktankündigung kommt eine Kapitalerhöhung. Das Unternehmen hat ein sogenanntes At-the-Market-Equity-Programm eingereicht. Es soll bis zu 500 Millionen Dollar einsammeln.

Zwischen Verlust und Vision

Navitas schreibt derzeit rote Zahlen. Der Schritt ist ein Signal: Die Liquidität reicht nicht aus, um das Wachstum aus eigener Kraft zu finanzieren. Die Aktie notierte am Freitag bei 21,20 Euro – weit vom 52-Wochen-Hoch bei 29,20 Euro entfernt.

Immerhin: Anfang Februar kostete der Titel nur 6,15 Euro. Der Erholungspfad ist steil, aber ruppig. Die 30-Tage-Volatilität liegt annualisiert bei 146 Prozent. Kein leichtes Umfeld für Langfrist-Anleger.

Die institutionelle Beteiligung bleibt mit 46 Prozent der Aktien solide. Gleichzeitig sind knapp 18 Prozent der frei handelbaren Papiere leerverkauft – ein hoher Wert, der auf Skepsis hindeutet.

Analysten halten sich bedeckt

Die durchschnittliche Bewertung lautet „Halten“. Das Unternehmen selbst rechnet erst 2029 mit einem Gewinn von knapp 20 Millionen Dollar bei einem Umsatz von 121,8 Millionen Dollar – weit entfernt von den aktuellen Verlusten.

Spannend wird, wie sich das neue SiC-Produkt gegen Wettbewerber wie ON Semiconductor oder Vistra behauptet. Der Markt für KI-Stromversorgung boomt. Die Frage ist, ob Navitas davon rechtzeitig profitiert – bevor das frische Kapital aufgebraucht ist.

Der RSI von 53,3 zeigt: Die Aktie hat derzeit keine klare Richtung. Die Märkte warten ab. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die Kapitalerhöhung wie geplant durchläuft und ob erste Projektaufträge für die neue Chip-Generation eingehen.