Navitas Semiconductor steht unter Druck. Der Spezialist für Hochleistungs-Chips hat ein Aktienplatzierungsprogramm über 500 Millionen Dollar gestartet. Das bringt den Kurs in Bewegung – und die Anleger in Erklärungsnot.

Am 24. Juni legte das Unternehmen den Schalter um. Eine sogenannte At-the-Market-Offering (ATM) wurde aktiviert, parallel zur Hinterlegung einer gemischten Shelf-Registrierung. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: 103.056 Call-Optionen wechselten den Besitzer. Das sind 64 Prozent mehr als am Durchschnittstag.

Der Aktienkurs notiert aktuell bei 17,40 Euro. Ein Plus von 8,07 Prozent zum Vortag. Die Erholung könnte trügerisch sein. Auf Wochensicht verlor die Aktie 17,14 Prozent. Auf Monatssicht sogar 36,50 Prozent. Rund 40 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 29,20 Euro aus dem Mai notiert das Papier.

Insider verkaufen kräftig

Die Kapitalmaßnahme folgt auf schwache Zahlen: Im ersten Quartal verbuchte Navitas 8,6 Millionen Dollar Umsatz bei einem Nettoverlust von 33,8 Millionen Dollar. Die Barlage? Rund 221 Millionen Dollar vor der neuen Finanzierung.

Hinzu kommt ein auffälliges Verkaufsmuster. Innerhalb von 90 Tagen bis Ende Juni stießen Insider knapp 4 Millionen Aktien ab. Gesamtwert: rund 116,4 Millionen Dollar. Ein besonders schwerer Brocken: Direktor Ranbir Singh veräußerte Ende Mai über 3 Millionen Anteile.

Sektor in Turbulenzen

Die Branche hilft auch nicht. Der Halbleitersektor kämpft mit sinkender Nachfrage nach Speicherchips und niedrigeren Investitionsausgaben. Die 30-Tage-Volatilität liegt bei erschreckenden 147 Prozent. Kein Wunder, dass Anleger nervös reagieren.

Der Kurs bewegt sich knapp unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 17,66 Euro. Das institutionelle Engagement bleibt mit 46,14 Prozent hoch. In einem Sektor, der neu justiert wird, hofft Navitas auf die eigene Technologie – und darauf, dass die frische Liquidität die Wende bringt.