Navitas Semiconductor markiert einen Wendepunkt in seiner Produktionsstrategie: Im heutigen September beginnt das Unternehmen mit der Auslieferung der fünften Generation seiner GaNFast-Leistungshalbleiter aus US-Fertigung.

Die Bauelemente werden am Standort von GlobalFoundries in Burlington, Vermont, produziert. Damit reagiert der Spezialist für Galliumnitrid-Technologie (GaN) auf die massiv steigende Nachfrage nach effizienter Energieversorgung in der KI-Infrastruktur und im Bereich des High-Performance-Computing.

Produktion in Vermont für den KI-Sektor

Die Partnerschaft mit GlobalFoundries, die bereits im November 2025 vereinbart wurde, trägt nun Früchte. Die Fertigung erfolgt auf 200-mm-GaN-on-Silicon-Wafern. Die erste Produktfamilie dieser Generation umfasst 650-V-GaN-FETs mit Einschaltwiderständen (RDS(ON)) in einem Bereich von 11 bis 150 Milliohm.

Während die ersten Wafer im heutigen Monat fertiggestellt werden, plant Navitas für Oktober die Bereitstellung interner Muster. Strategische Kunden sollen bis Ende des Jahres mit ersten Mustern beliefert werden.

Die technischen Spezifikationen zielen auf maximale Effizienz ab. Die neuen Chips erreichen einen Wirkungsgrad von bis zu 99 Prozent und reduzieren Energieverluste im Vergleich zu bisherigen Lösungen um 30 Prozent. Bei einer Leistung von über 3 Kilowatt sind sie speziell für den Einsatz in Rechenzentren, für die industrielle Elektrifizierung und für Elektrofahrzeuge konzipiert.

Dass die Halbleiter in Amerika gebaut werden, stützt zudem nationale Sicherheitsinteressen und wird durch den CHIPS Act gefördert. Auch US-Handelsminister Howard Lutnick unterstrich anlässlich der aktuellen Entwicklungen die strategische Bedeutung der heimischen Chipproduktion.

Marktposition und finanzielle Aussichten

Für die Aktie von Navitas Semiconductor kommt die Nachricht über den Produktionsstart zu einem wichtigen Zeitpunkt. Das Papier legte heute um 2,6 Prozent zu und notiert aktuell bei 9,70 Euro. Dennoch zeigt der Blick auf die technischen Indikatoren den Nachholbedarf der vergangenen Wochen: Mit dem aktuellen Kurs liegt der Wert weiterhin 15 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 11,43 Euro.

Die Notierung hatte zuletzt unter Druck gestanden, nachdem vor rund zwei Wochen eine Herabstufung sowie eine Kurszielsenkung durch Analysten von Morgan Stanley den Titel belastet hatten. Zudem wirkten die vor gut drei Wochen präsentierten Q2-Zahlen und die Prognose für das dritte Quartal dämpfend auf den Kursverlauf.

Analysten von Simply Wall St blicken unterdessen optimistisch auf das Ende des Jahrzehnts. Sie prognostizieren für Navitas bis zum Jahr 2029 einen Umsatz von 143,2 Millionen US-Dollar und einen Gewinn von 24,0 Millionen US-Dollar.

Den fairen Wert der Aktie beziffern die Experten auf 14,46 US-Dollar. Mit dem Start der Gen-5-Produktion in den USA versucht das Unternehmen, seinen strategischen Vorsprung auszubauen und sich als Kernlieferant für die Hardware-Basis der künstlichen Intelligenz zu etablieren.

Neben der Kooperation mit Navitas treibt GlobalFoundries am Standort Burlington zudem eigene Plattformen für Edge-KI voran, was den Standort zu einem zentralen Knotenpunkt für spezialisierte Halbleiteranwendungen macht.