Navitas Semiconductor (NVTS) geht juristisch gegen den japanischen Konkurrenten Renesas Electronics vor. Das Unternehmen reichte am gestrigen Dienstag eine Klage wegen Patentverletzung beim US District Court for the Eastern District of Texas ein.

Navitas wirft dem Mitbewerber vor, mit seinen Galliumnitrid-Leistungshalbleitern (GaN), insbesondere der Produktlinie SuperGaN, gegen geistiges Eigentum zu verstoßen. Die Aktie reagiert am heutigen Mittwoch positiv auf die Nachricht und notiert aktuell bei 12,00 Euro.

Rechtsstreit um Galliumnitrid-Technologie

Der juristische Vorstoß markiert eine Eskalation im Wettbewerb um effiziente Halbleitermaterialien. Die Klage umfasst vier spezifische US-Patente, die technologische Grundlagen für die Leistungsdichte und Schaltgeschwindigkeit moderner Chips abdecken. Galliumnitrid gilt in der Branche als Schlüsseltechnologie für die nächste Generation der Leistungselektronik, da es eine deutlich höhere Energieeffizienz als herkömmliches Silizium ermöglicht.

Die rechtliche Auseinandersetzung steht in einem komplexen Kontext. Erst im Juli wurde Navitas selbst von Wolfspeed verklagt. Gleichzeitig führt Renesas seinerseits Verfahren gegen Navitas, bei denen es um den mutmaßlichen Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen geht.

Navitas zielt mit der aktuellen Klage nun darauf ab, seine Position im wachsenden Markt für HEMT-Technologien (High Electron Mobility Transistor) zu schützen. Experten prognostizieren für diesen Sektor bis zum Jahr 2030 ein weltweites Marktvolumen von 5,6 Milliarden US-Dollar.

Marktausblick und finanzielle Entwicklung

Die operativen Zahlen verdeutlichen die derzeitige Übergangsphase des Unternehmens. Im zweiten Quartal meldete Navitas einen Umsatz von 10,53 Millionen US-Dollar, was einem Rückgang von mehr als einem Viertel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht.

Der Nettoverlust pro Aktie belief sich in diesem Zeitraum auf 0,04 US-Dollar. Dennoch zeigen sich Marktbeobachter für die langfristige Entwicklung zuversichtlich und verweisen auf die technologische Reife der Produkte.

Analystenhäuser bewerten das Potenzial der Aktie trotz der aktuellen Verluste weiterhin positiv. Die Experten von Needham rufen ein Kursziel von 21 US-Dollar aus. Auch das Haus Baird signalisiert Vertrauen in die Wachstumsstrategie und sieht den fairen Wert des Titels bei 20 US-Dollar. Am Markt wird die heutige Kursbewegung von 3,45 Prozent als erste positive Reaktion auf die aggressive Verteidigung der eigenen Patente gewertet.

Divergenz zwischen Investoren und Insidern

Auf der Seite der institutionellen Anleger ist ein deutliches Interesse an der Navitas-Aktie erkennbar. Das California State Teachers Retirement System erhöhte seine Position im ersten Quartal um fast 40 Prozent auf 227.220 Anteile.

Auch weitere namhafte Institutionen wie American Century und Invesco stockten ihre Bestände im Verlauf des zweiten Quartals massiv auf. Trotz dieser Käufe notiert das Papier derzeit noch weit unter seinem 52-Wochen-Hoch von 29,20 Euro.

Ein gegensätzliches Bild vermitteln hingegen die jüngsten Aktivitäten der Unternehmensführung. In den vergangenen drei Monaten veräußerten Insider insgesamt fast vier Millionen Aktien. Das Volumen dieser Verkäufe summierte sich auf rund 116,36 Millionen US-Dollar.

Im selben Zeitraum wurden keine Käufe durch das Management registriert. Anleger stehen somit vor der Herausforderung, das starke institutionelle Engagement gegen die massiven Anteilsverkäufe aus der Chefetage abzuwägen.