Drei Katalysatoren in einer Woche — das ist selbst für einen Wachstumswert ungewöhnlich. Nebius hat in den vergangenen Tagen eine milliardenschwere UK-Expansion angekündigt, ein Analysten-Upgrade kassiert und den Sprung in den Nasdaq-100 besiegelt. Die Aktie schloss den Freitag bei 200,60 Euro, ein Tagesplus von 4,49 Prozent.
Britisches Milliarden-Commitment und Analyst-Rückenwind
Das Schwergewicht der Woche war die britische Infrastrukturoffensive. Nebius investiert 1,7 Milliarden Pfund in vier UK-Standorte und baut dort KI-Kapazitäten mit Nvidias neuester Blackwell-Ultra-Technologie auf. Die kombinierte Leistung soll 2027 bei 65 Megawatt liegen. Hinzu kommt ein Zehnjahresvertrag mit Kao Data am Standort Harlow über 22 Megawatt.
Parallel dazu hob Bank-of-America-Analyst Tal Liani sein Kursziel auf 280 Dollar an — von zuvor 240 Dollar. Das Buy-Rating blieb bestehen. Liani hatte zuvor an einer Fireside-Chat-Session mit Nebius-Vertriebschef Roman Chernin teilgenommen.
Außerdem startete Nebius gemeinsam mit Nvidia das sogenannte Physical AI Living Lab. Das sechsmonatige Programm richtet sich an britische und europäische Robotik-Startups. Sie erhalten Zugang zu Nvidias Cosmos-, Isaac- und OSMO-Plattformen für Simulation und KI-Entwicklung. Der erste Jahrgang beginnt im September 2026.
Nasdaq-100-Aufnahme als struktureller Kurstreiber
Der stärkste Einzelimpuls kam nach Börsenschluss: Nebius rückt zum 22. Juni 2026 in den Nasdaq-100 auf. Die Aktie legte nach der Bekanntgabe im Nachhandel um 12,9 Prozent zu. Der Grund ist mechanisch. Jeder passive Fonds und ETF, der den Index abbildet, muss Nebius-Aktien vor dem Stichtag kaufen. Der Nasdaq-100 ist mit mehr als 200 Produkten und über 800 Milliarden Dollar verknüpft.
Nebius führt die Liste der fünf Neuzugänge mit einem Jahresplus von 165,5 Prozent an. Astera Labs folgt mit 120,9 Prozent, Teradyne mit 97,0 Prozent, Rocket Lab mit 64,5 Prozent und CoreWeave mit 33,7 Prozent.
Fundamentale Basis und Gegenwind durch Insider-Verkäufe
Die Kursrally hat eine solide Grundlage. Im ersten Quartal 2026 wuchs der Umsatz um 684 Prozent auf 399 Millionen Dollar. Das KI-Cloud-Segment legte um 841 Prozent auf 390 Millionen Dollar zu. Das bereinigte EBITDA drehte von minus 53,7 Millionen auf plus 129,5 Millionen Dollar.
Für das Gesamtjahr 2026 peilt Nebius einen annualisierten Umsatz von 7 bis 9 Milliarden Dollar an. Verträge mit Meta über fast 27 Milliarden Dollar und mit Microsoft über 17,4 Milliarden Dollar untermauern diesen Pfad. Nvidia stieg im März mit 2 Milliarden Dollar als Investor ein.
Ein Wermutstropfen bleibt. Insider verkauften in den vergangenen drei Monaten Aktien im Wert von 131 Millionen Dollar — ohne gemeldete Käufe. CTO Danila Shtan veräußerte am 4. Juni 15.678 Aktien. CRO Marc Boroditsky trennte sich am 2. Juni von 10.776 Aktien zu durchschnittlich 276,20 Dollar.
Auf Jahressicht hat Nebius 360 Prozent zugelegt. Vom 52-Wochen-Hoch bei 242,95 Euro, erreicht am 2. Juni, liegt die Aktie noch rund 17 Prozent entfernt. Die nächsten Quartalszahlen erscheinen am 6. August 2026 — dann wird sich zeigen, ob das Umsatzwachstum das aktuelle Bewertungsniveau weiter trägt.
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