Nebius Group verliert am Donnerstag 10,07 Prozent und fällt auf 156,02 Euro. Der Kurs liegt damit gut 40 Prozent unter seinem Rekordhoch von 261,00 Euro aus dem Juni. Was als kurze Korrektur begann, hat sich zu einem der schärfsten Einbrüche im gesamten KI-Infrastruktur-Sektor entwickelt.

Der Auslöser sitzt tief. Meta Platforms plant offenbar den Einstieg ins Cloud-Geschäft. Genau das trifft Nebius ins Mark.

Meta als Kunde und künftiger Konkurrent

Das Unternehmen hat mit Meta einen milliardenschweren Mehrjahresvertrag über Rechenkapazitäten geschlossen. Das Volumen: 27 Milliarden Dollar. Genau dieser Deal wird jetzt zum Risiko.

Bloomberg berichtete bereits Anfang Juli, Meta wolle überschüssige KI-Rechenkapazität monetarisieren und ein eigenes Cloud-Geschäft aufbauen. Die Aktie brach daraufhin um rund 17 Prozent ein. Die Sorge der Anleger: Meta könnte vom Großkunden zum direkten Wettbewerber werden.

Verstärkt wird der Abwärtstrend durch ein angespanntes Marktumfeld. Die Nasdaq gab wegen eskalierender Spannungen zwischen den USA und dem Iran nach. Zusätzlich sorgte ein Kurseinbruch von über 15 Prozent bei SK Hynix in Seoul für einen breiten Ausverkauf im Halbleitersektor.

Insider verkaufen – aber nicht aus Sorge

Mehrere Führungskräfte von Nebius haben in den vergangenen Wochen Aktien verkauft. Der Blick auf die Details relativiert die Sache aber deutlich.

Am 1. Juli veräußerten drei Top-Manager insgesamt 97.435 Aktien zu je 235,45 Dollar. Die eingereichten Unterlagen stellen klar: Es handelte sich um automatische Verkäufe zur Deckung von Steuerabzügen bei der Auflösung von Restricted Share Units. Keine der Personen habe die Verkäufe eigenständig veranlasst, heißt es in den Meldungen.

Insgesamt haben Insider in den vergangenen drei Monaten Aktien im Wert von 144,2 Millionen Dollar abgestoßen. Ein Teil davon lässt sich auf vorab festgelegte Handelspläne nach Rule 10b5-1 zurückführen. CIO Andrey Korolenko etwa übte Optionen auf 500.000 Aktien zum Preis von 100 Dollar aus und verkaufte dieselbe Stückzahl am Markt zu durchschnittlich 203,24 Dollar – im Rahmen eines im Dezember 2025 aufgesetzten Plans. Solche automatisierten Transaktionen lassen sich nicht als bewusste Wette gegen die eigene Aktie lesen.

Neue Deals verpuffen, Investitionen steigen

Selbst frische Aufträge konnten den Kurs zuletzt nicht stützen. Nebius unterzeichnete diese Woche eine Vereinbarung mit dem KI-Startup Reflection AI über Rechenkapazitäten im Wert von mehr als einer Milliarde Dollar. Die Aktie fiel trotzdem um 6,7 Prozent.

Hinzu kommt eine deutlich höhere Investitionsplanung. Nebius hob die Kapitalausgaben-Prognose für 2026 von bisher 16 bis 20 Milliarden Dollar auf nun 20 bis 25 Milliarden Dollar an. Das Management begründet den Schritt mit starker Kundennachfrage für 2027, nicht mit steigenden Kosten. Der Markt honoriert das bislang nicht.

Die Reaktion zeigt einen tieferen Stimmungswandel. Anleger trennen sich derzeit gezielt von kapitalintensiven Cloud-Anbietern. Die Nachfrage nach KI-Chips und Rechenleistung selbst stellen sie damit nicht infrage.

Charttechnik zeigt überverkaufte Zone

Der RSI liegt bei 36,4 und nähert sich damit einer überverkauften Zone an. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität übersteigt 100 Prozent – ein Hinweis auf die Heftigkeit der jüngsten Kursausschläge.

Trotz des Einbruchs steht die Aktie seit Jahresbeginn immer noch mit 103,95 Prozent im Plus. Auf Zwölfmonatssicht beträgt das Plus sogar 240,66 Prozent. Die aktuelle Korrektur zehrt zwar spürbar an den Gewinnen der vergangenen Monate, ändert am langfristigen Bild aber wenig.

Optimisten widersprechen der Verkaufswelle

Nicht alle Marktbeobachter halten den Ausverkauf für gerechtfertigt. Einige verweisen auf das neue, „asset-light“ Partnermodell von Nebius: Externe Investoren finanzieren die Rechenzentren, Nebius liefert die Plattform und kassiert wiederkehrende Gebühren. Die eigene Finanzierungslast sinkt dadurch spürbar.

Befürworter dieses Modells sehen die Furcht vor einem KI-Angebotsüberhang als überzogen an. Ob sich diese Sichtweise bei den Anlegern durchsetzt, entscheidet in den kommenden Handelstagen darüber, ob der Kurs einen Boden findet oder die Talfahrt weitergeht.