Wer bei Nebius NVIDIA-Grafikprozessoren mietet, muss ab dem 1. Oktober tiefer in die Tasche greifen. Es ist bereits die zweite Preiserhöhung binnen weniger Monate — und der Markt feiert sie ausgerechnet als gutes Zeichen.

Deutliche Aufschläge über alle GPU-Modelle

Ein Kunde veröffentlichte auf Reddit eine Mail mit den neuen Konditionen. Die Stunde für ein H100-Modell steigt von 3,85 auf 4,50 US-Dollar, beim H200 geht es von 4,50 auf 5,40 US-Dollar nach oben.

Auch die neueren Chips bleiben nicht verschont: Der B200 kostet künftig 8,50 statt 7,15 US-Dollar pro Stunde, der B300 verteuert sich von 7,85 auf 9,50 US-Dollar. Die Erhöhungen bewegen sich damit zwischen 16,9 und 21 Prozent.

Schon im Mai hatte Nebius die On-Demand-Rate für H100-Chips um rund 29 Prozent angehoben, bei präemptierbarer Kapazität lag der Aufschlag sogar bei 51 Prozent. Zwei kräftige Preisrunden in wenigen Monaten — das ist ungewöhnlich für einen Markt, in dem Wettbewerbsdruck normalerweise eher auf die Preise drückt als nach oben.

Anleger lesen die Preiserhöhung als Nachfragesignal

Die Börse reagierte prompt. Im nachbörslichen Handel und vorbörslich am Donnerstag legte die Nebius-Aktie kräftig zu, bevor sie sich im regulären Handel bei rund 213 US-Dollar einpendelte. Auch der Wettbewerber CoreWeave profitierte von der Ankündigung, obwohl das Unternehmen selbst keine eigene Preiserhöhung verkündet hat — ein Hinweis darauf, dass Anleger die gesamte Branche neu bewerten.

Die Logik dahinter: Wer sich traut, Preise für knappe Rechenleistung zu erhöhen, signalisiert eine Nachfrage, die stark genug ist, um höhere Kosten zu tragen. Für Nebius würde das bedeuten, mit derselben Kapazität mehr Umsatz zu erwirtschaften. Bleibt die Auslastung dabei hoch, könnte sich der Effekt auch in den Margen zeigen.

Ob die Rechnung aufgeht, entscheidet sich erst nach dem Stichtag. Zahlen Kunden die höheren Preise tatsächlich, ohne abzuwandern, wäre das ein handfester Beleg für die Preissetzungsmacht von Nebius. Muss das Unternehmen dagegen mit Rabatten nachbessern, um Kunden zu halten, dürfte der aktuelle Kursoptimismus schnell wieder verpuffen.