Nel ASA hat laut der Zahlen vom 15.10. im dritten Quartal deutlich mehr neue Aufträge gewonnen, doch der Sprung beim Auftragseingang muss sich erst noch im laufenden Geschäft niederschlagen. Das Volumen erreichte 253 Millionen norwegische Kronen, gegenüber 57 Millionen im Vorjahreszeitraum. Der Zuwachs kam nahezu vollständig aus dem Geschäft mit PEM-Elektrolyseuren. Für den Wasserstoffausrüster ist das ein wichtiges Signal, weil die Nachfrage in diesem Segment derzeit deutlich besser ausfällt als bei alkalischen Anlagen.

Ein Auftrag ist da, allerdings bleibt die verhaltene Stimmung

Ein Auftrag eines führenden US-Technologieunternehmens über containerisierte PEM-Elektrolyseure hat zu diesem Bild beigetragen. Das Volumen beträgt zwölf Millionen US-Dollar. Die Bestellung zeigt, dass Nel weiterhin Projekte gewinnen kann, obwohl viele industrielle Kunden ihre Investitionsentscheidungen aufschieben. Entscheidend ist nun, wie schnell die Anlagen umgesetzt und ausgeliefert werden und wann daraus Umsätze entstehen. Der Auftrag ist ein konkreter Geschäftsschritt, aber noch kein Beleg für eine dauerhaft profitable Auslastung der Produktion.

Die Rahmenbedingungen bleiben anspruchsvoll. Nach den im Zusatzmaterial angeführten Zahlen der Internationalen Energieagentur stehen weltweit Fertigungskapazitäten von rund 58 Gigawatt einer tatsächlichen Jahresproduktion von weniger als fünf Gigawatt gegenüber. Damit liegt die Auslastung unter 10 %. Für Hersteller bedeutet das, dass große Produktionsmöglichkeiten allein keinen wirtschaftlichen Erfolg garantieren. Solange Projekte verschoben werden und Anlagen nicht ausreichend ausgelastet sind, bleiben Kostendruck und Wettbewerb hoch.

Vor diesem Hintergrund ist auch die geplante Zusammenarbeit mit Rheinmetall einzuordnen. Mitte Oktober vereinbarten beide Unternehmen eine Kooperation rund um synthetische Kraftstoffe. Die Absichtserklärung ist nicht bindend; weitere Schritte setzen eine gegenseitige Vereinbarung voraus. Das Vorhaben eröffnet Nel eine mögliche zusätzliche Anwendung für seine Technologie, ist derzeit aber noch kein bestätigter Auftrag. Erst konkrete Projekte mit vereinbartem Umfang und Zeitplan würden eine belastbarere Einschätzung des wirtschaftlichen Potenzials erlauben.

An der Börse reicht der verbesserte Auftragseingang bislang nicht für eine nachhaltige Erholung. Am Freitag kostete die Nel-Aktie 0,19 Euro. Sie bewegt sich kaum noch. Aktuell werden sich vor allem kurzfristige Trader für den Titel interessieren.