Nemetschek treibt die regionale Einführung seiner KI-Angebote voran. Heute kündigte das Unternehmen Archicad Max, Allplan Max und Bluebeam Max für den Nahen Osten an. Für Anleger stehen damit die praktische Nutzung und die Verfügbarkeit der Anwendungen im Mittelpunkt. Die Angebote sollen Routinearbeit reduzieren; die Verantwortung für Prüfung und Entscheidungen bleibt bei den Fachleuten.

Gemeinsame Plattform, unterschiedlicher Einführungsstand

Alle drei Angebote basieren auf der Nemetschek Intelligence Platform. Archicad Max richtet sich an die Architektur, Allplan Max an das Ingenieurwesen und Bluebeam Max an den Bau. Die gemeinsame technische Grundlage verbindet damit Anwendungen für unterschiedliche Aufgaben entlang der Bauprozesse.

Der Einführungsstand unterscheidet sich allerdings. Bluebeam Max ist seit Mai weltweit verfügbar. Auch Allplan Max 2027 ist weltweit erhältlich. Archicad Max wird dagegen zusammen mit Archicad 30 regional eingeführt. Die Ankündigung für den Nahen Osten ist deshalb nicht mit einer zeitgleichen weltweiten Markteinführung sämtlicher Angebote gleichzusetzen.

Allplan Max verbindet Modellierung, Analyse und Fertigung über mehrere Anwendungen hinweg. Bei Bluebeam Max stehen unter anderem die Funktionen Smart Review, Smart Overlay und Magic Markups im Mittelpunkt. Der gemeinsame Anspruch: weniger Routinearbeit, ohne die fachliche Kontrolle aus den Arbeitsabläufen zu nehmen.

Erste Nutzer melden Zeitgewinne

Für Allplan Max 2027 berichteten Beta-Nutzer von bis zu 36 % schnellerer Erledigung ausgewählter Aufgaben. Bei Bluebeam Max meldeten über 2.000 frühe Nutzer Produktivitätsgewinne.

Diese Rückmeldungen liefern einen Anhaltspunkt für den praktischen Nutzen. Sie sind jedoch weder ein Nachweis für gleich hohe Zeitgewinne bei sämtlichen Aufgaben noch eine Aussage über zusätzliche Umsätze. Entscheidend ist zunächst, ob die Anwendungen im jeweiligen Arbeitsprozess tatsächlich Entlastung schaffen.

Seit September ist Bluebeam Max zudem für berechtigte Studierende und Lehrkräfte weltweit kostenlos verfügbar. Damit umfasst die Verbreitung neben der beruflichen Nutzung auch den Ausbildungsbereich.

Quartalszahlen liefern den nächsten Prüfstein

Die Produktnachricht trifft auf eine grundsätzlich positive Einschätzung von BofA Securities. Das Analysehaus bestätigte Nemetschek heute als einen seiner bevorzugten Softwarewerte. Im beobachteten Softwaresektor sieht BofA bislang keine klaren Hinweise darauf, dass KI bestehende Anbieter aus ihrer Vermittlerrolle verdrängt. Diese Einschätzung betrifft den Sektor und ersetzt keinen unternehmensspezifischen Ergebnisnachweis.

Der nächste finanzielle Prüfstein folgt voraussichtlich am 5. November mit den Zahlen zum dritten Quartal. Im zweiten Quartal 2026 hatte Nemetschek einen Umsatz von 327,65 Mio. € erzielt. Das entsprach einem Zuwachs von 12,97 % gegenüber dem Vorjahresquartal.

Für Anleger stehen damit zwei unterschiedliche Ebenen nebeneinander: Der regionale KI-Rollout erweitert die Verfügbarkeit der Produkte. Die anstehenden Quartalszahlen werden dagegen zeigen, wie sich das Geschäft finanziell entwickelt hat. Die gemeldeten Produktivitätsgewinne dürfen dabei nicht mit bereits realisiertem Umsatzwachstum gleichgesetzt werden.