Der US-Bundesstaat Texas zieht gegen Netflix vor Gericht. Generalstaatsanwalt Ken Paxton wirft dem Streaming-Riesen vor, im großen Stil Nutzerdaten abzuschöpfen und zu verkaufen. Im Zentrum der Klageschrift steht ein besonders sensibler Vorwurf: die illegale Überwachung von Minderjährigen.

Die Behörden sprechen von einer regelrechten Überwachungsmaschinerie. Netflix sammle ohne ausreichende Zustimmung detaillierte Informationen über Sehgewohnheiten, Endgeräte und Netzwerke. Diese Daten fließen laut Klage an Drittanbieter und Werbeplattformen wie Experian, Acxiom oder Google.

Besonders scharf kritisiert Texas den Einsatz sogenannter Dark Patterns. Die Autoplay-Funktion sei gezielt darauf ausgelegt, Suchtverhalten zu fördern und die Bildschirmzeit für weitere Datenextraktion zu maximieren.

Drohende Millionenstrafen und ein Dementi

Auf Basis des texanischen Verbraucherschutzgesetzes fordert der Bundesstaat empfindliche Strafen. Für jeden Verstoß könnten bis zu 10.000 US-Dollar fällig werden. Bei Millionen von Nutzern in Texas summiert sich das finanzielle Risiko schnell.

Obendrein verlangt Paxton, die Autoplay-Funktion auf Kinderprofilen sofort zu deaktivieren und unrechtmäßig gesammelte Daten zu löschen. Netflix weist die Vorwürfe offiziell zurück. Ein Unternehmenssprecher bezeichnete die Klage als haltlos und verzerrt.

Insider-Verkäufe treffen auf Kursverluste

An der Börse sorgte die Nachricht umgehend für Nervosität. Die Netflix-Aktie gab am Montag um 2,3 Prozent nach und schloss bei 85,45 US-Dollar. Dabei lief das operative Geschäft zuletzt rund. Im ersten Quartal kletterte der Umsatz auf 12,25 Milliarden US-Dollar. Der Gewinn je Aktie übertraf die Erwartungen der Analysten deutlich.

Parallel dazu durchläuft die Chefetage einen Umbruch. Mitbegründer Reed Hastings wird den Verwaltungsrat im Juni verlassen, um sich philanthropischen Projekten zu widmen.

Auffällig sind die jüngsten Aktiengeschäfte des Managements. CEO Ted Sarandos trennte sich Anfang Mai von mehr als 27.000 Anteilsscheinen. Bereits im Februar hatte Finanzchef Spencer Neumann ein größeres Aktienpaket veräußert. Obwohl solche Transaktionen oft lange im Voraus geplant werden, beobachten Privatanleger interne Verkäufe während eines Rechtsstreits genau.

Analysten halten trotz der juristischen Gegenwinde mehrheitlich an einer Kaufempfehlung fest. Das mittlere Kursziel der Experten liegt bei rund 115 US-Dollar. Ein erster juristischer Erfolg in Texas wäre zwingend nötig, um die Lücke zwischen dem aktuellen Kursniveau und den Zielen der Wall Street zu schließen.