NextEra-Energy-Chef John Ketchum hat gestern den geplanten Zusammenschluss mit Dominion Energy gegen politische und regulatorische Kritik verteidigt. Medienberichten zufolge verwies er auf zugesagte Arbeitsplätze, Rechnungsgutschriften und die Erfahrung von NextEra mit erneuerbaren Energien. Damit stellt das Unternehmen den versprochenen Nutzen der Transaktion heraus. Die entscheidende Frage bleibt jedoch, welche verbindlichen Kundenschutzauflagen es dafür akzeptieren würde.
Ketchum setzt auf die zugesagten Vorteile
Ketchums Stellungnahme folgte auf Einwände von Virginias Gouverneurin Abigail Spanberger und Mitarbeitern der dortigen Regulierungsbehörde. Seine Argumentation setzt bei den Vorteilen an, die NextEra und Dominion mit dem Zusammenschluss verbinden.
Für Anleger ist dabei die Unterscheidung zwischen Zusagen und Genehmigung entscheidend. Ketchums Verteidigung erläutert die Position des Unternehmens. Sie ist weder eine Zustimmung der Regulierer noch ein Beleg dafür, dass die zusätzlichen Forderungen bereits erfüllt sind.
Die Unternehmen hatten erklärt, Spanbergers Forderungen zu prüfen. Damit steht die öffentliche Verteidigung des Vorhabens neben einer noch offenen Entscheidung über weitergehende Verpflichtungen. Der Verweis auf Arbeitsplätze und erneuerbare Energien beantwortet für sich genommen nicht die konkrete Frage nach dem Schutz der Stromkunden.
Verbindliche Bedingungen stehen im Mittelpunkt
Spanberger verlangte am Montag ein Einfrieren der Basisstromtarife für Privatkunden über sechs Jahre. Zudem sollen monatliche Rechnungsgutschriften von $29 für vier Jahre gewährt werden. Ohne stärkere Schutzvorkehrungen will sie sich gegen den Zusammenschluss stellen.
Die Forderungen betreffen damit nicht nur die grundsätzliche Zustimmung zur Transaktion. Sie zielen auf konkrete Verpflichtungen gegenüber den Kunden. Für die Bewertung des Vorhabens kommt es deshalb darauf an, ob aus den angekündigten Vorteilen verbindliche und für beide Unternehmen akzeptable Bedingungen werden.
Am Dienstag empfahlen Mitarbeiter der Virginia State Corporation Commission, den Antrag in seiner eingereichten Form abzulehnen, sofern die Unternehmen keine bindenden Bedingungen akzeptieren. Nach ihrer Einschätzung belegt der Antrag nicht ausreichend, dass eine angemessene Versorgung zu fairen und angemessenen Tarifen geschützt wäre.
Diese Empfehlung ist keine abschließende Entscheidung der Kommission. Eine bereits erfolgte Ablehnung des Zusammenschlusses lässt sich daraus ebenso wenig ableiten wie eine gesicherte Genehmigung.
Netzprojekt liefert einen weiteren operativen Bezugspunkt
Unabhängig vom Fusionsverfahren erhielt ein Konsortium mit NextEra Energy Transmission am Donnerstag den Zuschlag für das Iowa-EASL-Stromleitungsprojekt. Nach Unternehmensangaben wählte MISO die Gruppe für Entwicklung, Bau, Betrieb und Instandhaltung aus.
MISO schätzt die Projektkosten auf rund $1,23 Milliarden. Der vorgesehene Eigentumsanteil von NextEra Energy Transmission beträgt 42,5 %. Weitere Partner sind Ameren Transmission Company of Illinois und Dairyland Power Cooperative.
Der Projektzuschlag ist ein konkreter operativer Fortschritt, aber keine Antwort auf die Einwände gegen den Dominion-Zusammenschluss. Für dessen Beurteilung bleiben die Kundenschutzbedingungen maßgeblich: Ketchum hat die strategischen Vorteile verteidigt, während die geforderten verbindlichen Zugeständnisse weiter zur Prüfung stehen.
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