Der chinesische Elektroautohersteller Nio hat starke Quartalszahlen vorgelegt. Umsatz und Auslieferungen legten zweistellig zu, die operative Marge verbesserte sich. An der Börse kommt das nicht an: Die Aktie fällt am Freitag um rund 7 Prozent auf 4,47 Euro.
114 Prozent mehr Umsatz, 98 Prozent mehr Auslieferungen – Nios erstes Quartal 2026 liest sich auf den ersten Blick wie ein Durchstarter-Bericht. Der Umsatz stieg auf 25,5 Milliarden Yuan, gut 83.000 Fahrzeuge rollten zu den Kunden. Drei Marken – Nio, Onvo und Firefly – tragen dazu bei. Der ES8 erzielte dabei eine Modellmarge von über 20 Prozent.
Doch der Schein trügt nur teilweise. Die Bruttomarge kletterte von 7,6 auf 19,0 Prozent – vier Quartale in Folge steigt die Fahrzeugmarge. Nio erwirtschaftete zudem einen operativen Gewinn nach Non-GAAP-Standard von umgerechnet 66,8 Millionen Yuan, zum zweiten Mal in Folge.
Kosten gesenkt, Kasse gefüllt
Das Unternehmen drückte konsequent auf die Kostenbremse: Die Forschungsausgaben fielen um knapp 41 Prozent, die Vertriebs- und Verwaltungskosten um 20,5 Prozent. Der IFRS-Jahresfehlbetrag lag bei 332 Millionen Yuan. Die Liquidität beträgt 48,2 Milliarden Yuan – ein komfortables Polster.
Bemerkenswert: Die Aktie notiert 14 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 5,20 Euro. Offenbar bleiben Anleger skeptisch, ob der positive Trend nachhaltig ist.
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Ausblick mit Schatten
Für das zweite Quartal stellt Nio 110.000 bis 115.000 Auslieferungen in Aussicht – ein deutlicher Sprung. Der Umsatz soll zwischen 32,8 und 34,4 Milliarden Yuan liegen. Nächste Woche startet zudem das neue Flaggschiff ES9.
Allerdings warnt das Management vor steigenden Kosten. Rohstoffe und Chips verteuern sich um umgerechnet über 10.000 Yuan pro Fahrzeug ab dem zweiten Quartal. Zeitgleich baut Nio sein Netzwerk auf 3.916 Batteriewechselstationen aus – Investitionen, die weiter Geld kosten.
Die Zahlen sind stark, der Ausblick solide. Die Frage ist, ob Nio die Kostendynamik in den Griff bekommt, ohne die Margenerholung zu gefährden.
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