Nokia bringt an diesem Mittwoch seine erste kommerzielle KI-RAN-Plattform auf den Markt. Der Zeitpunkt wirkt fast wie ein Kontrastprogramm: Während der Konzern technologisch nach vorne drängt, rutscht die Aktie an der Börse deutlich ab.
Der Kurs verliert am Mittwoch 4,51 Prozent und steht bei 9,78 Euro. Am Dienstag hatte das Papier noch bei 10,24 Euro geschlossen. Auf Monatssicht summiert sich der Rückgang bereits auf über 23 Prozent.
Neue Technik soll Netzbetreiber überzeugen
Die neue Plattform kombiniert GPU-Rechenleistung mit handelsüblicher Serverhardware. Nokia liefert die Lösung über Ökosystem-Partner aus und setzt auf Cloud-native Flexibilität statt starrer Spezialhardware. Das Ziel: Netzbetreiber sollen KI-native Funknetze aufbauen können, ohne ihre komplette Infrastruktur zu ersetzen.
Piloteinsätze plant Nokia bis Ende 2026. Die volle kommerzielle Verfügbarkeit soll 2027 folgen. Der Konzern rechnet mit Effizienzgewinnen bei der Spektrumsnutzung von 50 Prozent bis 2027 und über 100 Prozent bis 2028 — das würde vor allem in dicht ausgelasteten Funkzellen mehr Kapazität und niedrigere Kosten pro übertragenem Datenbit bedeuten.
Ein neues Abo-Modell für die Software soll Netzbetreibern laufende KI-Updates liefern, ohne dass sie ständig neue Hardware kaufen müssen. Für Bestandskunden bringt Nokia zusätzlich ein GPU-Zusatzmodul für seine AirScale-Basisstationen. Damit lässt sich vorhandene Infrastruktur mit Nvidia-Rechenleistung nachrüsten, statt sie komplett auszutauschen.
Die Roadmap stützt sich auf programmierbare Chip-Plattformen von Nvidia. Ergänzend nutzt Nokia auch KI-beschleunigte Chips von Marvell — ein Zeichen dafür, dass der Konzern bei der Hardware-Basis bewusst auf mehrere Anbieter setzt statt auf einen einzigen Partner.
Kursbild zeigt deutliche Diskrepanz
Trotz des Kursrückgangs der vergangenen Wochen bleibt die Jahresperformance beeindruckend. Seit Jahresbeginn steht die Aktie noch immer 75,61 Prozent im Plus. Zum 52-Wochen-Hoch von 14,97 Euro, erreicht am 3. Juni, fehlen inzwischen aber 34,68 Prozent.
Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 7,67 Euro liegt weiterhin bei über 27 Prozent — ein Hinweis darauf, dass der langfristige Aufwärtstrend trotz der jüngsten Korrektur intakt bleibt. Der RSI-Wert von 36,6 signalisiert zudem, dass die Aktie kurzfristig eher überverkauft als überkauft ist.
Ob die KI-RAN-Ankündigung reicht, um die Verkaufswelle der vergangenen Wochen zu stoppen, zeigt sich frühestens mit den ersten Pilotprojekten Ende 2026. Bis zur kommerziellen Verfügbarkeit 2027 bleibt die Kluft zwischen technologischem Fortschritt und Kursentwicklung vorerst bestehen.
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