Nokia baut sein Netzwerk-Geschäft konsequent um — weg vom Hardware-Lieferanten, hin zum KI-gestützten Infrastrukturdienstleister. Innerhalb von zwei Tagen hat der finnische Konzern gleich vier neue Partnerschaften und Integrationen angekündigt. Das Tempo ist bemerkenswert.
Neue Partner, neue Apps
Den Auftakt machte am 24. Juni eine erweiterte Zusammenarbeit mit HCLTech. Vier KI-gesteuerte Anwendungen — sogenannte rApps — sind nun in Nokias SMO-Marktplatz integriert. Sie übernehmen Aufgaben wie Anomalie-Erkennung, Energieoptimierung und Verkehrsausgleich im Netz.
Zeitgleich kündigte Aira Technologies eine Partnerschaft mit Nokia an. Airas Plattform Naavik One ist jetzt mit Nokias MantaRay SMO verbunden. Das Ziel: sogenannte Closed-Loop-Funktionen, bei denen das Netz Probleme selbst erkennt und behebt — ohne manuellen Eingriff.
Google Gemini und AWS als Fundament
Einen Tag später, am 25. Juni, folgte die nächste Meldung. Nokia integriert Googles Gemini-KI in seine Netzwerksoftware. Damit soll das System Netzwerkmanagement und Fehlersuche eigenständig übernehmen.
Außerdem plant Nokia, seinen gesamten Autonomous Network Fabric bis Ende 2026 auf AWS zu betreiben. Über Amazon Bedrock will der Konzern kommerzielle Level-4-Autonomie anbieten — also Netze, die sich weitgehend selbst steuern. Das ist ehrgeizig: Laut Accenture arbeiten derzeit rund 79 Prozent aller Telekommunikationsanbieter noch auf Level 0 oder Level 1. Der Markt für Nokias Lösungen ist also riesig.
Was die Zahlen zeigen
Nokia belegt den Fortschritt mit konkreten Betriebsdaten. Die eigenen Automatisierungslösungen erreichen demnach Automatisierungsraten von über 90 Prozent. Service-Bereitstellungszeiten liegen unter vier Stunden, Netzunterbrechungen bei weniger als einer Minute pro Jahr. Rollouts für Netzwerk-Slices sollen bis zu 85 Prozent schneller gehen, Betriebsstörungen um die Hälfte sinken.
Rückenwind kommt auch aus dem Hardwaregeschäft. Nach der Übernahme von Infinera wuchs der Umsatz mit KI- und Cloud-Kunden im ersten Quartal um 49 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die Aktie schloss zuletzt bei 12,14 Euro und liegt seit Jahresbeginn rund 118 Prozent im Plus. Vom Allzeithoch bei 14,97 Euro, das Anfang Juni erreicht wurde, ist sie allerdings noch knapp 19 Prozent entfernt — der RSI von 49 signalisiert neutrales Momentum.
Nokia hat die Richtung klar definiert. Ob Level-4-Autonomie bis Ende 2026 wirklich lieferbar ist, wird sich an konkreten Kundenprojekten messen lassen.
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