Nokia hat binnen eines Tages zwei Vorhaben bekanntgegeben, die den Ausbau der Konzernstrategie rund um KI-Infrastruktur unterstreichen. Am Mittwoch meldete das Unternehmen eine Übernahmevereinbarung für eine Chipfabrik in Arizona, am Donnerstag folgte der Start einer Rechenzentrumsplattform in Südostasien gemeinsam mit Nvidia. Beide Schritte zielen auf dasselbe Wachstumsfeld: Netzwerktechnik für den KI-Boom.
Chandler-Fabrik wird zur Optikchip-Schmiede
Nokia hat eine endgültige Vereinbarung zum Kauf des Fertigungsstandorts von NXP Semiconductors in Chandler, Arizona, unterzeichnet. Das Werk soll auf die Produktion von Indiumphosphid-Chips für optische Datenübertragung umgestellt werden – ein Baustein für die Datenverbindungen in KI-Rechenzentren. Zunächst least Nokia ab Anfang 2027 Fertigungskapazitäten in Teilen der Anlage, der vollständige Erwerb soll erst im ersten Quartal 2029 abgeschlossen werden. Die Fabrik hatte NXP im September 2020 eröffnet und zuletzt für Galliumnitrid-Bauteile im Hochfrequenzbereich genutzt; eine Schließung war für 2027 vorgesehen.
Zankore: Ein Gigawatt Rechenleistung für Südostasien
Parallel dazu haben Indosat Ooredoo Hutchison, die Ooredoo Group, Nvidia und Nokia die Plattform „Zankore by Indosat“ gestartet. Sie soll in Südostasien Rechenkapazität von bis zu einem Gigawatt auf Basis von Nvidias DSX-AI-Factory-Technologie bereitstellen. Die Ooredoo Group tritt als Gründungsinvestor mit einem Anteil von 49 Prozent auf und will über die kommenden fünf Jahre zunächst 800 Millionen US-Dollar einbringen. Nvidia liefert Rechentechnik, Software und Grafikchips, Nokia steuert seine KI-native Netzwerktechnologie bei.
Rückenwind aus dem Kerngeschäft, Kritik an der GAAP-Bilanz
Beide Ankündigungen fügen sich in ein Bild, das bereits die Quartalszahlen vor rund zwei Wochen gezeichnet hatten. Der Auftragseingang im Bereich KI und Cloud lag bei 2,8 Milliarden Euro, die Erlöse in diesem Segment hatten sich mehr als verdoppelt. Nokia rechnet damit, dass rund die Hälfte dieser Aufträge binnen zwölf Monaten in Umsatz umschlägt. Der Nettoumsatz im zweiten Quartal stieg um 9 Prozent, die operative Marge kletterte um 70 Basispunkte auf 9 Prozent. Unter dem Strich stand nach US-Bilanzregeln jedoch ein operativer Verlust von 50 Millionen Euro, weil allein im Quartal 390 Millionen Euro an Restrukturierungskosten anfielen. Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern mit Belastungen von 800 Millionen Euro aus beschleunigten Umbaumaßnahmen sowie mit 350 Millionen Euro für die Integration des China-Geschäfts, die binnen zwei Jahren abgeschlossen werden soll.
Die Investitionsplanung für das laufende Jahr sank zugleich auf eine Spanne von 800 bis 900 Millionen Euro. Nach Unternehmensangaben liegt das vor allem an geänderten Plänen im Immobilienbereich – nicht an einem Rückzug aus Wachstumsfeldern. Die zusätzliche Fertigungskapazität in Arizona zeigt, dass der Konzern parallel weiter in optische Chiptechnik investiert. Für das dritte Quartal stellte das Management ein Umsatzwachstum von 3 bis 7 Prozent gegenüber dem Vorquartal bei weitgehend stabiler Marge in Aussicht; der größere Ergebnisschub soll erst im vierten Quartal folgen.
Analysten uneins über die Bewertung
Die Einschätzungen der Analysehäuser gehen auseinander. Die Deutsche Bank senkte am 27. Juli ihr Kursziel für Nokia auf 11,50 Euro von zuvor 13,50 Euro, beließ die Aktie aber auf Kaufen. Barclays stufte das Papier bereits am 25. Juli mit Verkaufen ein und bleibt damit der skeptischste Stimmen unter den beobachteten Häusern.
An der Börse zeigte sich die Aktie zuletzt schwankungsanfällig. Am Freitag schloss das Papier bei 8,15 Euro, ein Rückgang von 1,09 Prozent gegenüber dem Vortag. Über die vergangenen 30 Tage hat die Aktie fast 22 Prozent verloren, seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 45,80 Prozent. Die jüngsten Ausschläge zeigen, wie stark Anleger die Nachrichtenflut aus Quartalszahlen, Ratingentscheidung und nun den beiden neuen Großprojekten verarbeiten.
Nokia-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Nokia-Analyse vom 9. August liefert die Antwort:
Die neusten Nokia-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Nokia-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 9. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Nokia: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

