Nokia treibt seine Wette auf die Künstliche Intelligenz mit einer millionenschweren Übernahme voran. Der finnische Netzwerkausrüster hat sich vertraglich gesichert, den Chipfertigungsstandort Chandler in Arizona von NXP Semiconductors zu übernehmen.
Dort sollen künftig Indium-Phosphid-Chips für optische Datenübertragung entstehen – Bauteile, die für den wachsenden Bedarf von KI-Rechenzentren zentral sind. Nokia will bereits ab Anfang 2027 Kapazitäten am Standort anmieten, der vollständige Abschluss der Transaktion ist erst für das erste Quartal 2029 vorgesehen.
Die Übernahme reiht sich in eine Serie von Nachrichten ein, die dem Konzern in den vergangenen Wochen Auftrieb gegeben haben. Zusammen mit dem Chip-Deal hatte Nokia Anfang August auch die branchenweit erste kommerzielle KI-native RAN-Plattform vorgestellt, entwickelt gemeinsam mit NVIDIA.
Das System basiert auf einem Software-Abo-Modell und soll Netzbetreibern Upgrades auf 5G und künftig 6G ermöglichen, ohne dass die Hardware komplett ausgetauscht werden muss.
Angehobene Prognose als Fundament
Untermauert wird die Kursfantasie durch handfeste Zahlen aus dem operativen Geschäft. Anfang August hob Nokia seine Prognose für den bereinigten operativen Gewinn 2026 auf eine Spanne von 2,1 bis 2,6 Milliarden Euro an, zuvor hatte das Unternehmen mit 2,0 bis 2,5 Milliarden Euro gerechnet.
Gleichzeitig senkte der Konzern seine Investitionsausgaben für das laufende Jahr auf 800 bis 900 Millionen Euro. Diese Kombination aus höherer Ertragserwartung und disziplinierterem Kapitaleinsatz gilt als Signal, dass sich das KI-Geschäft zunehmend in der Bilanz niederschlägt.
Analysten reagieren mit höheren Kurszielen
Die Nachrichtenlage hat auch bei Analysten Spuren hinterlassen. Bank of America hob ihr Kursziel am Mittwoch auf 18,50 US-Dollar an, zuvor lag die Marke bei 17,00 US-Dollar, und bestätigte die Kaufempfehlung.
Begründet wurde der Schritt mit einem Auftragseingang im Bereich KI und Cloud von 2,8 Milliarden Euro, der die Erwartungen deutlich übertroffen habe. Am selben Tag stufte SEB Equities die Aktie von „Hold“ auf „Buy“ hoch und nannte ein Kursziel von 12,00 Euro, mit Verweis auf die beschleunigte Nachfrage nach KI-gestützter Netzwerkinfrastruktur.
Auch auf Investorenseite zeigt sich Zuspruch. Aus regulatorischen Meldungen für das Quartal bis Ende Juni geht hervor, dass institutionelle Anleger wie Amundi, Millennium Management und Goldman Sachs ihre Positionen ausgebaut haben – Goldman Sachs erhöhte seinen Bestand um 8,7 Prozent auf 12,55 Millionen Aktien.
Zusätzlich kaufte Manager David Heard am 13. August eigenen Angaben zufolge 1.171 Nokia-Aktien zu einem volumengewichteten Durchschnittspreis von 9,0910 Euro.
Kurs unter Druck trotz starker Nachrichtenlage
Der Aktienkurs spiegelt die Dynamik nur teilweise wider. Am Freitag schloss das Papier bei 9,35 Euro, ein Plus von 1,3 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Wochensicht steht ein Anstieg von 15 Prozent zu Buche, während der Kurs auf Monatssicht um 5,1 Prozent nachgegeben hat. Seit Jahresbeginn liegt Nokia dennoch mit 67 Prozent im Plus, auf Zwölfmonatssicht sogar mit 163 Prozent.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 14,97 Euro, erreicht Anfang Juni, ist die Aktie derzeit 38 Prozent entfernt – ein Hinweis darauf, dass trotz der jüngsten positiven Meldungen noch deutlich Luft zur bisherigen Bestmarke besteht. Am 28. August präsentiert Nokia auf der Jefferies Technology Conference, ein Termin, der weitere Impulse liefern könnte.
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