Liebe Traderinnen und Trader,
neun Prozent plus bei einem Windturbinenbauer, sieben Prozent plus bei einer Brennstoffzellen-Aktie, sechseinhalb Prozent plus bei einem Chipkonzern – und mittendrin ein Immobilienriese, der auf sein Jahrestief zusteuert. Das ist die eigentliche Handelsstory dieses Montags, nicht die Frage, ob der DAX ein paar Punkte gewinnt oder verliert. Während die Zinssorgen vor den Sitzungen von EZB und Fed die Schlagzeilen prägen, laufen ausgerechnet zinssensible Wachstumswerte aus Energie und Halbleitern der Nervosität davon – klassische Zinsopfer wie Wohnimmobilien bleiben dagegen unter Druck. Wer verstehen will, wohin das Geld heute fließt, muss genau diese Spaltung lesen.
Nordex zeigt, wie Fundamentaldaten eine Rally tragen
Die Aktie des Windturbinenbauers springt im Handelsverlauf um rund 9,6 Prozent auf 40,40 Euro, nachdem BofA das Kursziel angehoben hat – binnen weniger Stunden ein Ausbruch aus der jüngsten Konsolidierung, mit einem Zwölf-Monats-Plus von 90 Prozent. Der Rückenwind hat einen handfesten Kern: Der europäische Batteriespeichermarkt soll 2026 auf 57 Gigawattstunden wachsen, ein Plus von 78 Prozent gegenüber den 32 Gigawattstunden des Vorjahres, mit Deutschland als einem der Zugpferde neben Bulgarien, Italien, Großbritannien und Spanien. Parallel ziehen an der Strombörse EEX die Terminpreise für Photovoltaik-Ökostrom seit August an, was die Konditionen für langfristige Abnahmeverträge (PPA) verbessert und neue Wind- und Solarprojekte kalkulierbarer macht. Wer auf die Infrastruktur der Energiewende setzen will, findet in Nordex derzeit einen der wenigen Werte, bei denen Kursbewegung und operative Story tatsächlich zusammenpassen.
Bloom Energy liefert Momentum, keine Unterbewertung
Die Brennstoffzellen-Aktie notiert im Tagesverlauf rund 7,6 Prozent höher bei 234 Euro, und ab dem 21. September wird sie in den S&P 500 aufgenommen – ein Termin, der automatisch Nachfrage von Indexfonds auslöst und institutionelle Investoren auf den Plan ruft. Der Zwölf-Monats-Chart zeigt ein Plus von 415 Prozent, seit Jahresbeginn steht ein Zuwachs von 212 Prozent zu Buche. Beeindruckend, aber auch ein Warnsignal: Nach einer solchen Bewegung ist die Luft nach oben dünner, und die Indexaufnahme dürfte kurzfristig bereits eingepreist sein. Wer jetzt einsteigt, kauft Momentum – keine Unterbewertung.
Der Kurssprung von Bloom Energy zeigt, wie dynamisch der Wasserstoffsektor derzeit ist – doch nach einer Rally von über 400 Prozent binnen zwölf Monaten stellt sich für viele Anleger die Frage nach Alternativen mit noch offenem Potenzial. Ein kostenloser Sonderreport analysiert die Brennstoffzellen-Branche und nennt konkrete Aktien abseits des bekanntesten Namens. Jetzt Report anfordern
Infineon profitiert von der stromhungrigen KI-Infrastruktur
Auch die Chip-Seite der Energiewende macht auf sich aufmerksam: Infineon springt um 6,8 Prozent auf 60,75 Euro und nähert sich damit wieder deutlicher dem 52-Wochen-Hoch von 89,67 Euro aus dem Juni. Der Halbleiterkonzern gilt als Nutznießer der wachsenden Nachfrage nach Leistungshalbleitern – dem stillen Rückgrat sowohl der Elektromobilität als auch der Rechenzentrums- und KI-Infrastruktur, deren Strombedarf parallel steigt. Mit einem Zwölf-Monats-Plus von 89 Prozent gehört Infineon neben Nordex zu den auffälligsten deutschen Comeback-Geschichten dieses Handelstages.
Vonovia zahlt den Preis für die Zinserwartungen
Ganz anders die Lage bei Immobilien und Edelmetallen. Vonovia rutscht im Handelsverlauf um gut 2 Prozent auf 18,73 Euro und damit an sein erst am 2. September markiertes 52-Wochen-Tief von 18,66 Euro – Goldman Sachs hatte die Aktie zuletzt abgestuft. Der Grund ist derselbe, der auch Gold und Silber belastet: Der überraschend starke US-Arbeitsmarktbericht mit 162.000 neuen Stellen im August hat die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung bei der Sitzung am 15./16. September auf rund 60 Prozent hochgetrieben, und UBS rechnet inzwischen mit zwei Zinsschritten im laufenden Jahr. Gold gab leicht nach und notiert unter 4.440 Dollar, Silber fiel unter 66 Dollar. Auch die EZB dürfte am 10. September nicht mehr entspannt zusehen können: Beobachter erwarten Zinsanhebungen im September und im Dezember, was den Leitzins auf bis zu 2,75 Prozent treiben würde – schlechte Nachrichten für fremdkapitalintensive Sektoren wie Wohnimmobilien, tendenziell unterstützend für Bankaktien. Passend dazu hat Warburg Research das Kursziel für die Deutsche Bank von 39 auf 41,50 Euro angehoben und die Kaufempfehlung bestätigt; die Aktie notiert bei 35,48 Euro und damit nur knapp unter ihrem jüngsten 52-Wochen-Hoch von 35,74 Euro.
Bitcoin testet die 80.000-Dollar-Marke
Die Kryptowährung ist über das Wochenende an der Marke von 80.500 Dollar zum zweiten Mal in zwei Wochen abgeprallt und notiert aktuell unter 79.000 Dollar, nachdem der starke US-Jobsbericht die Zinssenkungsfantasie erneut gedämpft hat. Bemerkenswert: Der wöchentliche Schlusskurs lag zuletzt zum ersten Mal seit Anfang Mai wieder über 80.000 Dollar, und der wöchentliche Supertrend-Indikator ist erstmals seit Januar 2023 auf Grün gesprungen – ein Signal, das charttechnisch orientierte Trader als möglichen Hinweis auf einen Trendwechsel lesen dürften. Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten in der vergangenen Woche knapp 987 Millionen Dollar an Zuflüssen, während im Altcoin-Bereich Chainlink mit einem Tagesplus von rund 6,8 Prozent aus der Reihe tanzt.
Infineons Sprung auf fast 61 Euro zeigt exemplarisch, wie stark der Boom der KI-Infrastruktur inzwischen auf die Halbleiterbranche durchschlägt – und wie viel Kapital derzeit in Richtung Big Data und Rechenzentren fließt. Ein aktueller Report bündelt zehn Aktien, die von diesem Megatrend profitieren könnten, kompakt und verständlich aufbereitet. Report herunterladen
Marschroute
Die kommenden Handelstage stehen im Zeichen zweier Notenbanktermine – EZB am 10. September, Fed am 15./16. September – und der US-Inflationsdaten dazwischen. Bei Nordex und Infineon rechtfertigt die fundamentale Story ein Nachladen auf Rücksetzer, solange die Aufwärtsdynamik intakt bleibt. Bei Bloom Energy gilt es, die Indexaufnahme am 21. September nicht zu überzahlen. Vonovia bleibt technisch angeschlagen, solange die Zinserwartungen steigen – hier lohnt Geduld statt Bodenbildungsversuche. Und bei Bitcoin bleibt 80.000 Dollar der Schlüssellevel: Ein nachhaltiger Ausbruch darüber würde das grüne Wochensignal bestätigen, ein erneutes Abgleiten unter 78.500 Dollar würde es kassieren.
Gute Trades, Ihr Andreas Sommer
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