Der Schweizer Pharmakonzern setzt voll auf einen neuartigen Wirkmechanismus. Novartis weitet die Partnerschaft mit dem Biotech-Unternehmen Orionis Biosciences massiv aus. Die zweite Vereinbarung im Bereich der sogenannten Molecular Glues ist mit hohen finanziellen Anreizen versehen.

40 Millionen sofort, bis zu 1,4 Milliarden später

Die am 10. Juni bekannt gegebene Zusammenarbeit sieht eine Vorauszahlung von 40 Millionen US-Dollar vor. Hinzu kommen potenzielle Meilensteinzahlungen von bis zu 1,4 Milliarden Dollar. Das Ziel: kleine Moleküle entwickeln, die Proteine gezielt zusammenbringen. Diese räumliche Nähe kann krankheitsrelevante Prozesse unterbrechen oder neue therapeutische Effekte auslösen.

Der mehrjährige Forschungsdeal umfasst mehrere bisher nicht genannte Krankheitsbereiche. Es ist bereits die zweite Kooperation zwischen Novartis und dem in Boston und Belgien ansässigen Biotech. Die erste, vierjährige Vereinbarung stammt aus dem März 2020.

Ein Schlüsselbereich der Pharmaforschung

Molecular Glues gelten in der Branche als einer der vielversprechendsten neuen Wirkstoffansätze. Anders als klassische Inhibitoren zwingen sie Proteine in eine neue Konfiguration. Das eröffnet Angriffspunkte für Krankheiten, die mit herkömmlichen Methoden kaum behandelbar sind.

Novartis setzt damit auf den Ausbau bestehender Partnerschaften statt auf Neuakquisitionen. Das senkt das Risiko, beschleunigt aber gleichzeitig den Zugang zu innovativer Technologie. Noch ist offen, ob und wann die ersten Wirkstoffe aus dieser Zusammenarbeit in klinische Studien gehen.

Die Börse reagierte verhalten auf die Nachricht. Die Novartis-Aktie notierte am Mittwoch bei 127,42 Euro. Sie liegt damit 11,7 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 144,30 Euro. Über die vergangenen zwölf Monate steht dennoch ein Plus von 23,4 Prozent zu Buche.