Novartis-Chef Vas Narasimhan verteidigt heute die Übernahmestrategie trotz des Rückschlags bei Del-Desiran. Die Wertminderung von 1,9 Milliarden US-Dollar auf den Wirkstoff stellt nach seiner Einschätzung den Kurs nicht grundsätzlich infrage. Del-Desiran war ein zentraler Bestandteil der 12 Milliarden US-Dollar schweren Avidity-Übernahme.
Für Anleger geht es damit nicht allein um die Belastung des Quartalsgewinns. Entscheidend ist auch, ob zugekaufte und selbst entwickelte Medikamente künftig genügend Wachstum liefern. Die gleichzeitig angehobene Ergebnisprognose stützt das Vertrauen in das laufende Geschäft. Die klinischen Rückschläge bleiben davon jedoch unberührt.
Kleinere Zukäufe bleiben im Fokus
Laut Citeline hält Narasimhan am Schwerpunkt auf kleineren Übernahmen unter 2 Milliarden US-Dollar fest. Auch nach dem Fehlschlag der entscheidenden HARBOR-Studie soll Del-Desiran weiterentwickelt werden. Der Wirkstoff verfehlte bei myotoner Dystrophie Typ eins den primären Endpunkt.
Die Abschreibung bedeutet somit nicht das Ende des Entwicklungsprogramms. Eine weitere entscheidende Studie würde eine mögliche Markteinführung allerdings verzögern. Narasimhan setzt daneben auf weitere Avidity-Wirkstoffe, die sich in fortgeschrittener klinischer Entwicklung oder in der Prüfung durch die US-Zulassungsbehörde befinden.
Die finanziellen Spielräume verdienen dabei Aufmerksamkeit: Nach Reuters-Angaben stieg die Nettoverschuldung seit Jahresbeginn von 21,9 auf 37,4 Milliarden US-Dollar. Der freie Cashflow soll bis Ende des Jahrzehnts auf über 20 Milliarden US-Dollar steigen.
Damit stehen den bereits gestiegenen Schulden Erwartungen an höhere künftige Mittelzuflüsse gegenüber. Die Fortsetzung der Übernahmestrategie beseitigt diese Belastung nicht. Sie setzt vielmehr darauf, dass die erworbenen Entwicklungsprogramme langfristig zum Geschäft beitragen.
Laufendes Geschäft ermöglicht höheren Ausblick
Im dritten Quartal 2026 erzielte Novartis einen Umsatz von 14,522 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Wachstum von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Neue Medikamente gleichen nach einem Bloomberg-Bericht den Generikadruck auf Entresto aus. Diese Entwicklung erklärt, weshalb Novartis den Ausblick trotz der hohen Wertminderung verbessern konnte. Das operative Kernergebnis bildet dabei eine andere Entwicklung ab als der ausgewiesene Gewinn.
Das operative Kernergebnis erreichte 6,036 Milliarden US-Dollar und stieg in Dollar gerechnet um 11 Prozent. Die Kernmarge lag bei 41,6 Prozent.
Für das Gesamtjahr erwartet Novartis zu konstanten Wechselkursen nun ein stabiles bis niedrig einstellig wachsendes operatives Kernergebnis. Zuvor hatte der Konzern einen niedrig einstelligen Rückgang prognostiziert. Die Erwartung eines niedrigen einstelligen Umsatzwachstums bleibt bestehen.
Die Wertminderung hinterließ dennoch deutliche Spuren: Der Nettogewinn sank um 70 Prozent auf 1,196 Milliarden US-Dollar. Eine bessere operative Entwicklung und ein stark gesunkener ausgewiesener Gewinn stehen deshalb nebeneinander.
Analysten gewichten Chancen und Patentrisiken unterschiedlich
JPMorgan bewertet die Zahlen positiv: Der Kerngewinn je Aktie lag nach Einschätzung des Hauses 7 Prozent über den Markterwartungen. Die höhere Prognose impliziere eine Anhebung des entsprechenden Analystenkonsenses um 3 Prozent.
Die Zürcher Kantonalbank bleibt dagegen bei „Marktgewichten“. Sie richtet den Blick stärker auf die bevorstehenden Patentabläufe wichtiger Produkte und damit auf die Frage, wie dauerhaft das Wachstum abgesichert ist.
Nach Einschätzung der Bank betreffen die Patentabläufe von Cosentyx, Kisqali und Kesimpta fast 40 Prozent des Umsatzes im Jahr 2029.
Narasimhan betonte heute bei CNBC die Fähigkeit von Novartis, Patentabläufe durch neue Produkte auszugleichen. Die höhere Ergebnisprognose liefert dafür operative Unterstützung. Der Del-Desiran-Rückschlag zeigt zugleich, weshalb erwartete Pipeline-Erfolge noch keinen gesicherten Ersatz für bestehende Umsätze darstellen.
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