Mit einer weitreichenden Vereinbarung im Bereich der RNA-Technologie treibt Novartis die Erneuerung der klinischen Entwicklungspipeline voran. Der Schweizer Pharmakonzern schloss gestern eine globale Lizenz- und Optionsvereinbarung mit Abogen Biosciences ab. Die Kooperation verschafft Novartis den weltweiten Zugriff auf den mRNA-basierten T-Zell-Engager ABO2203 und beinhaltet Optionen auf weitere Entwicklungsprogramme auf RNA-Basis.

Hohe Vorabinvestition und erhebliche Meilensteinzahlungen

Die vertraglichen Konditionen verdeutlichen den strategischen Stellenwert des Zukaufs. Novartis leistet an Abogen Biosciences eine Vorauszahlung in Höhe von USD 575 Mio. Sollten sämtliche vertraglichen Optionen im Rahmen des Abkommens ausgeübt werden und die Entwicklungsschritte planmäßig verlaufen, können sich die erfolgsabhängigen Meilensteinzahlungen auf bis zu rund USD 7,2 Mrd. belaufen.

Mit dem Schritt reagiert der Konzern auf Herausforderungen in der fortgeschrittenen Forschung. Im September hatten zwei klinische Spätphasenprogramme Rückschläge verzeichnet. So verfehlte die Phase-III-Studie HARBOR mit del-desiran ihren primären Endpunkt.

Wenige Tage zuvor hatte bereits die Phase-III-Studie Lp(a)HORIZON mit dem Wirkstoffkandidaten pelacarsen das primäre Ziel nicht erreicht. Der Ausbau der Zusammenarbeit mit externen Biotech-Unternehmen zielt darauf ab, die Lücken in der Projektpipeline langfristig zu schließen.

Regulatorische Schritte und strategischer Gesamtrahmen

Neben externen Einlizenzierungen verzeichnet Novartis auch in den bestehenden Kernprogrammen Fortschritte. Vor rund zwei Wochen gab es eine positive CHMP-Stellungnahme zu Cosentyx bei Polymyalgia rheumatica, womit die finale Zulassungsentscheidung in diesem Anwendungsbereich vorbereitet wird.

Verwaltungsratspräsident Giovanni Caforio unterzeichnete zudem am 22. September gemeinsam mit den Vorsitzenden von acht weiteren Pharmaunternehmen einen offenen Brief, der die europäische Wettbewerbsfähigkeit bei Arzneimittelforschung und Investitionen in Innovationen thematisierte.

An der Börse notierte das Papier am Freitag bei einem Schlusskurs von 125,16 Euro. Damit liegt der Wert noch unter dem 52-Wochen-Hoch von 144,30 Euro. Für das Gesamtjahr verzeichnet die Aktie seit Jahresanfang ein Kursplus von 5,9 Prozent.

Wichtige Unternehmenstermine werfen Schatten voraus

Für Anleger richtet sich das Augenmerk nun auf die anstehenden Geschäftszahlen. Das Unternehmen wird am 27. Oktober 2026 seine Ergebnisse für das dritte Quartal sowie für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2026 vorlegen. Diese Veröffentlichung dürfte zeigen, in welchem Umfang sich die jüngsten Studienausgänge und Lizenzverträge in den finanziellen Perspektiven des Basler Konzerns niederschlagen.