Novo Nordisk blickt verstärkt auf den US-Kapitalmarkt. Wie Konzernchef Mike Doustdar der Financial Times gestern sagte, ist das dänische Pharmaunternehmen offen dafür, eine direkte Notierung an der New York Stock Exchange in Betracht zu ziehen. Ein solcher Schritt könnte den bisherigen Handel über ADRs ablösen, wenngleich der Konzern diesen Plan nach Angaben des Managers derzeit nicht aktiv verfolgt.

Strategischer Fokus auf orale Therapien

Am Dienstag hatte Doustdar gegenüber Reuters zudem betont, dass Tabletten bis zum Jahr 2030 bis zur Hälfte des weltweiten Marktes für Adipositas-Medikamente ausmachen könnten. Novo Nordisk positioniert sich damit für eine spürbare Marktverschiebung weg von den wöchentlichen Injektionen.

Das Management peilt daher an, bis zum Ende des Jahrzehnts Fertigungskapazitäten für 15 Millionen Patienten mit oralen Therapien bereitzustellen. Insgesamt will der Konzern bis 2030 weltweit mehr als 60 Millionen Patienten versorgen.

Neben dem Ausbau der eigenen Produktion hält sich das Unternehmen auch für externe Schritte bereit. Nach Angaben der Führungsebene ist die Bilanz stark genug, um neben kleineren Ergänzungsübernahmen auch größere Zukäufe zu tragen.

Pipeline-Ziele und Kursdruck

Am Montag hatte der Konzern auf seinem Kapitalmarkttag weitreichende Wachstumsziele vorgestellt: Bis 2030 sollen mehr als fünf neue Multiblockbuster-Medikamente auf den Markt kommen. Für das Jahr 2035 peilt Novo Nordisk aus der Entwicklungspipeline einen Umsatz von über 150 Milliarden DKK an. Diese Zielmarke beruht auf internen risikobereinigten Werten und schließt künftige Übernahmen aus.

Am Markt stießen die Ankündigungen jedoch auf Skepsis: Analysten hinterfragten vor allem die künftige Preismacht und die Strategie für Akquisitionen. Die Aktie gab daraufhin zeitweise um bis zu 9 Prozent nach. Im heutigen Handel notiert der Titel bei 33,40 Euro, womit er sich 39 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 54,86 Euro bewegt.

Hoffnungsträger CagriSema

Wesentlicher Treiber der nächsten Generation von Adipositas-Medikamenten soll der Wirkstoff CagriSema sein. In einer Spätphasenstudie mit Diabetes-Patienten erzielte das experimentelle Mittel einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von 12,4 Prozent und schnitt damit besser ab als das Konkurrenzprodukt von Eli Lilly. Die Markteinführung ist für Anfang 2027 vorgesehen.

Daran anschließend plant der Konzern für 2028 die Einführung von Cagrilintid als Einzelwirkstoff sowie einer höher dosierten Variante von CagriSema, gefolgt vom Wirkstoff Zenagamtid. Wann die nächsten konkreten Finanzdaten folgen, steht ebenfalls fest: Am 4. November wird Novo Nordisk seine Geschäftszahlen für die ersten neun Monate vorlegen.