Nvidia hat am heutigen Montag die finanziellen Eckpunkte seines Engagements beim geplanten Rechenzentrums-Campus PORTS-Pike in Ohio offengelegt. Das Unternehmen begrenzt seine Restwertgarantien für das gemeinsam mit SB Energy und OpenAI entwickelte Projekt auf 105 Milliarden Dollar. Zuvor waren am Markt Summen von bis zu 250 Milliarden Dollar kursiert, was Anleger zunehmend nervös gemacht hatte.

Die Struktur des Deals ist mittlerweile klar umrissen. Nvidia sichert zunächst 4,25 Gigawatt IT-Kapazität exklusiv für den eigenen KI-Compute ab, mit einer Option auf weitere 3,8 Gigawatt. SB Energy, eine Tochter von SoftBank, baut und betreibt den Campus unter einem 20-Jahres-Leasingvertrag mit OpenAI, der Betrieb soll ab 2028 in Phasen anlaufen.

Parallel investiert Nvidia bis zu 1,5 Milliarden Dollar direkt in SB Energy, mit der Option auf eine weitere Tranche im Rahmen eines geplanten Börsengangs von SB Energy. SB Energy und SoftBank wollen zudem mindestens 10 Gigawatt neue Stromerzeugung aufbauen und 4,2 Milliarden Dollar in die Netzinfrastruktur der Region investieren, ergänzt um einen Gemeinde-Fonds von 80 Millionen Dollar.

Warum die Reduzierung Anleger beruhigt

Die Kürzung der Garantiesumme ist eine direkte Reaktion auf Bedenken institutioneller Investoren, die das Risiko einer derart weitreichenden Bilanzverpflichtung für ein Projekt mit einem unprofitablen Kunden wie OpenAI kritisch sahen. OpenAI wird mit rund 852 Milliarden Dollar bewertet, verzeichnet aber weiterhin keine Gewinne.

Die ursprünglich diskutierten 250 Milliarden Dollar hätten nach Marktbeobachtungen zu übermäßiger außerbilanzieller Risikokonzentration bei Nvidia geführt. Mit dem Deckel von 105 Milliarden Dollar, der laut Berichten nur die erste Projektphase von rund 5 Gigawatt abdeckt, begrenzt Nvidia sein Exposure deutlich, ohne aus dem strategisch wichtigen Vorhaben auszusteigen.

Die Episode reiht sich in eine wachsende Debatte um sogenannte Schattenkredit-Garantien in der KI-Branche ein. Anleihehändler beobachten laut Berichten kritisch, dass KI-Unternehmen inzwischen Verpflichtungen in Billionenhöhe außerhalb klassischer Bilanzstrukturen eingehen. Das Wall Street Journal bezifferte solche außerbilanziellen KI-Verpflichtungen zuletzt auf drei Billionen Dollar.

Einordnung in die Kursentwicklung

Die Nvidia-Aktie notiert aktuell bei 194,74 Euro und liegt damit 3,8 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro, das erst Mitte Mai erreicht wurde.

Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Plus von 9,7 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn summiert sich der Zugewinn auf 22 Prozent. Der Titel notiert damit weiterhin deutlich über seinem 200-Tage-Durchschnitt von 168,19 Euro, was auf einen intakten mittelfristigen Aufwärtstrend hindeutet.

Für Anleger bleibt die Ohio-Vereinbarung ein Testfall dafür, wie Nvidia seine wachsende Rolle als Finanzierer der KI-Infrastruktur steuert, ohne die eigene Bilanz übermäßig zu belasten.

Mit dem nun bestätigten Deckel von 105 Milliarden Dollar signalisiert das Unternehmen, dass es auf Kritik reagiert, ohne sein Engagement bei OpenAI grundsätzlich infrage zu stellen. Die nächsten Quartalszahlen am 26. August dürften zeigen, wie sich derartige Großprojekte in der operativen Entwicklung niederschlagen.