Nvidia hat binnen weniger Tage zwei bedeutende Schritte zur Stärkung der Chipproduktion in den Vereinigten Staaten bekanntgegeben. Während der Konzern seine Lieferkette diversifiziert und neue Fertigungskapazitäten sichert, blieb die Aktie im Sog einer breiteren Branchenrotation unter Druck.
Milliardenvertrag mit Amkor für Chip-Packaging
Nvidia und der Halbleiter-Dienstleister Amkor Technology unterzeichneten am 23. Juli 2026 einen mehrjährigen Vertrag über 1,5 Milliarden US-Dollar zur Ausweitung der Chipverpackung in den USA. Nvidia leistet dabei eine Vorauszahlung, mit der Amkor seine Kapazitäten unter anderem in Arizona ausbauen soll. Beide Unternehmen wollen gemeinsam Multi-Die-Verpackungstechnologien für KI-Plattformen entwickeln – Amkor liefert bereits Verpackungsleistungen für Nvidias Rechenzentrumsprozessoren. Die Nachricht ließ die Amkor-Aktie im nachbörslichen Handel um mehr als 13 Prozent auf 74,00 US-Dollar steigen, nachdem der reguläre Handelstag noch mit einem Minus von 2,45 Prozent bei 65,33 US-Dollar geendet hatte. Amkor legt seine Quartalszahlen am 27. Juli vor, Analysten erwarten einen Umsatz von rund 1,80 Milliarden US-Dollar.
Wistron-Werk in Texas nimmt Produktion auf
Bereits am 21. Juli 2026 hatte der taiwanische Auftragsfertiger Wistron in Fort Worth, Texas, seine erste US-Fabrik eröffnet. Die 324.000 Quadratfuß große Anlage entstand mit einer Investition von 700 Millionen US-Dollar und produziert Nvidias GB300 Grace-Blackwell-Ultra-Superchip, künftig soll auch der Vera-Rubin-Chip dort gefertigt werden. Mehr als 500 Arbeitsplätze sind bereits entstanden, bis Jahresende sollen es 1.000 werden. Nvidia-CEO Jensen Huang eröffnete die Fabrik gemeinsam mit Wistron-Chairman Simon Lin und bezeichnete das Vorhaben als wichtigen Beitrag zur Reindustrialisierung der USA. Huang stellte zugleich klar, dass Taiwan die amerikanische Halbleiterindustrie gerettet und nicht, wie zuvor politisch behauptet, gestohlen habe. Insgesamt plant Nvidia nach eigenen Angaben, in den kommenden vier Jahren bis zu 500 Milliarden US-Dollar in die Fertigung von KI-Plattformen in den USA zu investieren – die Ausbauten bei TSMC in Arizona zählen ebenfalls dazu.
Kursreaktion und operative Dynamik
Trotz der positiven Fertigungsnachrichten geriet die Nvidia-Aktie zeitweise unter Druck, nachdem Alphabet seine Investitionsprognose für 2026 auf 195 bis 205 Milliarden US-Dollar angehoben hatte – Anleger rotierten stattdessen in Speicherchip-Werte wie Micron und SK Hynix. Der Schlusskurs vom Donnerstag lag bei 183,60 Euro, ein Rückgang von 1,38 Prozent gegenüber dem Vortag. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 14,55 Prozent zu Buche, während die Aktie rund 9,33 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro notiert, das sie erst im Mai erreicht hatte.
Operativ bleibt das Bild robust: Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 erwirtschaftete Nvidia einen Umsatz von 81,6 Milliarden US-Dollar, davon entfielen 75,2 Milliarden auf das Data-Center-Geschäft. Der Gewinn je Aktie lag bei 1,87 US-Dollar und übertraf den Konsens von 1,76 US-Dollar. Für das zweite Quartal stellte Nvidia einen Umsatz von rund 91 Milliarden US-Dollar in Aussicht, wobei chinesische Erlöse ausgeklammert bleiben. Analysten setzen im Mittel ein Kursziel von etwa 304 US-Dollar an und bewerten die Aktie überwiegend als Kauf.
Beim Ausbau der neuen Prozessorfamilien meldete Nvidia zudem den Versand von „Hunderttausenden“ Grace-Standalone-Servern und mehr als 2,5 Millionen Grace-CPUs, unter anderem an Meta. Von der neuen Vera-CPU mit 88 eigens entwickelten Arm-Kernen sollen künftig bis zu 1.000 Racks pro Tag gefertigt werden; erste Systeme gingen bereits an Anthropic, OpenAI, Oracle und SpaceX. Nvidia rechnet mit rund 20 Milliarden US-Dollar Umsatz allein aus dem Vera-Geschäft im laufenden Geschäftsjahr. Konkurrenzdruck kommt derweil von AMD, das mit der neuen Helios-Plattform und dem MI455X-Grafikprozessor höhere Bandbreiten und mehr Speicher gegenüber Nvidias Vera Rubin NVL72 beansprucht – ein Zeichen dafür, dass sich der Wettbewerb um die KI-Infrastruktur weiter verschärft.
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