Eine Billion Dollar Marktwert — einfach weg. So viel hat Nvidia seit dem Rekordhoch Mitte Mai verloren. Jetzt wächst die Spekulation: Greift der Chipkonzern zu massiven Aktienrückkäufen, um den Kurs zu stützen?

Der Ausverkauf zieht sich

Am Montag fiel die Nvidia-Aktie um 3,52 Prozent. Seit dem Allzeithoch vom 14. Mai hat das Papier rund 16 Prozent verloren. Investoren ziehen Kapital ab und stecken es in Speicherchip-Werte wie Sandisk und Micron.

In Euro gerechnet steht Nvidia aktuell bei 179,28 Euro, ein Plus von 0,25 Prozent zum Vortag. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro beträgt 11,47 Prozent. Zum Jahrestief von 140,62 Euro liegt aber immer noch ein Polster von 27,49 Prozent.

Trotz der schwachen Wochen bleibt die Jahresbilanz solide. Seit Jahresanfang steht ein Plus von 11,28 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sind es 27,49 Prozent.

Bewertung so niedrig wie seit 2019 nicht mehr

Der Kursrutsch hat einen Nebeneffekt: Nvidia ist günstig geworden. Die Aktie notiert derzeit beim 18-Fachen der erwarteten Gewinne — der S&P 500 kommt auf das 21-Fache. Ein solches Bewertungsniveau gab es bei Nvidia zuletzt Anfang 2019, also vor dem großen KI-Boom.

BofA-Analyst Vivek Arya nennt mehrere Gründe für den Druck auf die Aktie. Höhere Speicherkosten drücken die Bruttomarge. Custom-ASIC-Chips der Konkurrenz greifen Marktanteile an. Hinzu kommt eine sehr konzentrierte Investorenbasis, sowie Kritik daran, dass Nvidia Cash eher in Lieferantenfinanzierung steckt statt in Rückkäufe und Dividenden.

Rückkäufe könnten zunehmen

Trotz der Turbulenzen bleibt die Stimmung an der Wall Street stabil. Citi-Analyst Atif Malik verweist darauf, dass Nvidia weiterhin plant, 50 Prozent des Cashflows an Aktionäre zurückzugeben. Das Management habe zudem signalisiert: Beim aktuellen Kursniveau könnten die Rückkäufe in den kommenden Jahren steigen.

Malik zufolge führt die Bank of America Nvidia weiter als „Top Buy“-Empfehlung unter den großen Data-Center-Halbleiterwerten. Als Grund nennt er den starken Zugang zu DRAM-Speicher in einem Markt mit knappem Angebot.

Auch andere Marktbeobachter bleiben zuversichtlich. Jessica Inskip von StockBrokers.com sagte bei Yahoo Finance, das charttechnische Setup sehe „wirklich sehr gut“ aus.

Zinsen und Konkurrenz belasten zusätzlich

Der Druck auf die Aktie kommt nicht nur aus dem Unternehmen selbst. Restriktive Signale der US-Notenbank haben Sorgen über die künftigen Kapitalkosten für wachstumsstarke Tech-Konzerne neu entfacht. Steigende Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen zwingen institutionelle Investoren, ihre Bewertungsmodelle anzupassen — das drückt die Kurs-Gewinn-Verhältnisse im gesamten KI-Sektor.

Auch der Wettbewerb wird schärfer. Große Cloud-Anbieter bauen verstärkt eigene Chips. Berichten zufolge beschleunigen wichtige Nvidia-Kunden den Umstieg auf maßgeschneiderte ASIC-Chips, um weniger von externer Hardware abhängig zu sein.

Charttechnik bleibt uneinheitlich

Die Volatilität ist hoch: 36,25 Prozent auf 30-Tage-Sicht, annualisiert. Der RSI steht bei 52,2 — neutrales Terrain. Die Aktie notiert 1,29 Prozent unter ihrem 50-Tage-Schnitt von 181,63 Euro, liegt aber 8,67 Prozent über dem 200-Tage-Schnitt von 164,97 Euro. Der mittelfristige Aufwärtstrend ist also technisch noch intakt.

Die nächsten Quartalszahlen stehen Ende August an. Bis dahin bleibt offen, ob der aktuelle Rücksetzer eine Kaufgelegenheit darstellt oder der Beginn einer tieferen Neubewertung der KI-Infrastruktur-Ausgaben ist.