Zwischen Euphorie und Skepsis liegt oft nur ein kurzer Sommer. Bei Nvidia schlägt die Stimmung gerade spürbar um. Das Aushängeschild der künstlichen Intelligenz verliert spürbar an Boden. Die Aktie notiert aktuell bei knapp 168 Euro. Auf Monatssicht bedeutet das ein Minus von sieben Prozent. Vom Rekordhoch im Mai bei 202,50 Euro hat sich das Papier mittlerweile gut 17 Prozent entfernt. Reicht dieser Rücksetzer aus, um die billionenschwere KI-Fantasie der Märkte dauerhaft abzukühlen?
Gewinne gegen Bewertungsängste
Der Markt diskutiert hitzig über die Bewertung. Kritiker verweisen auf das historisch extrem hohe Kurs-Gewinn-Verhältnis. Sie sehen jahrelanges und absolut fehlerfreies Wachstum bereits im Kurs eingepreist. Optimisten halten hartnäckig dagegen. Anders als beim Dotcom-Crash liefern die heutigen KI-Führer echte Gewinne und massive Cashflows.
Diese Zerrissenheit spiegelt sich im Chartbild exakt wider. Der Kurs fiel jüngst deutlich unter die 50-Tage-Linie. Parallel dazu hält der 200-Tage-Durchschnitt bei 164,39 Euro den langfristigen Aufwärtstrend noch intakt. Der RSI nähert sich mit 39,5 dem überverkauften Bereich. Die Folge: extreme Nervosität im Handel.
Das Risiko der Verkäuferfinanzierung
Ein Strukturproblem sorgt zusätzlich für Unruhe. Nvidia baut sein Geschäft auf einem komplexen Netz aus Investitionen auf. Der Konzern finanziert Cloud-Anbieter und KI-Kunden teilweise selbst. Kritiker sehen darin einen riskanten Kreislauf. Dieser treibt die Aktienkurse der KI-Kunden künstlich in die Höhe. Neue Partnerschaften für kleinere Cloud-Dienste befeuern diese Sorge. Erinnerungen an die fragwürdigen Verkäuferfinanzierungen früherer Tech-Crashs werden wach.
Nvidia-Befürworter betonen den substanziellen Unterschied. Große Technologiekonzerne haben feste Bestellungen über eine Billion US-Dollar bis 2027 platziert. Der Markt testet nun jeden Tag, ob dieses gigantische Orderbuch die aktuellen Multiples wirklich rechtfertigt.
Die ganze Branche auf dem Prüfstand
Analysten lassen sich von der Korrektur kaum beeindrucken. Der Konsens bleibt enorm bullisch. Ein durchschnittliches Kursziel von rund 264 Euro verspricht ein Kurspotenzial von 57 Prozent. Das ist eine bemerkenswerte Spanne für ein über vier Billionen Euro schweres Unternehmen. Jeder Wackler der Nvidia-Aktie erschüttert daher den gesamten Markt. Anleger werten das Papier als Zeugnis für die gesamte KI-Industrie.
Der aktuelle Rücksetzer ist mehr als eine gewöhnliche Korrektur. Er fungiert als Referendum über die gigantischen KI-Investitionen der Tech-Giganten. Nvidia zahlt Aktionären weiterhin eine Quartalsdividende von 0,25 US-Dollar je Aktie. Für den Moment liefert der Kurs weder den Bären eine Bestätigung noch den Bullen ein klares Kaufsignal. Fällt die Aktie jedoch nachhaltig unter die 200-Tage-Linie, droht dem Markt eine schmerzhafte Neubewertung der gesamten KI-Fantasie.
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