Nvidia verkauft nicht mehr nur Chips. Der Konzern wird zum Finanzier ganzer Rechenzentren – und verlangt dafür einen Anteil an den laufenden Umsätzen seiner Kunden. Diese Woche zeigt sich, wie ernst es Nvidia mit diesem Rollenwechsel meint.

Die Aktie schloss am Freitag bei 171,98 Euro, ein Plus von 1,09 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Zuwachs von 1,88 Prozent, auf Monatssicht dagegen ein Minus von 7,16 Prozent. Seit Jahresbeginn liegt das Papier mit 6,75 Prozent im Plus – deutlich schwächer als in früheren Jahren, als Nvidia die Indizes regelrecht abhängte.

Neues Geschäftsmodell: Finanzierung statt Vorkasse

Cloud-Anbieter mussten bisher hohe Summen vorstrecken, um an Nvidias GPUs zu kommen. Das ändert sich jetzt. Unter dem neuen Modell stellt Nvidia die KI-Infrastruktur bereit, ohne dass Partner die Kosten vorab tragen müssen.

Im Gegenzug kassiert Nvidia den direkten Produktumsatz – plus einen Anteil an den laufenden Erlösen des Partners. Finanzvorstand Colette Kress hat das Programm genehmigt. Das Ziel: kleineren „Neocloud“-Startups und großen KI-Fabriken den Einstieg erleichtern.

Erste Projekte laufen bereits an. Firmus Technologies baut in Batam, Indonesien, eine „DSX AI Factory“ mit 360 Megawatt Leistung. Bis zu 170.000 Nvidia-GPUs sollen dort einziehen. Parallel dazu installiert Sharon AI in Australien bis zu 40.000 Grace-Blackwell-GB300-Systeme.

Einstieg bei Nokia und Sicherheitstechnik

Nvidia diversifiziert sein Geschäft auch geografisch und thematisch. Der Konzern investiert eine Milliarde Dollar in Nokia und übernimmt damit 2,9 Prozent der Anteile zum Kurs von 6,01 Dollar je Aktie. Ziel ist die Integration von KI direkt in Mobilfunknetze, im Fachjargon AI-RAN genannt.

T-Mobile will die Technologie im Laufe des Jahres 2026 in Feldversuchen testen. Zusätzlich investiert Nvidia in Verkada, einen Spezialisten für physische KI-Sicherheitstechnik in Gebäuden. Für den weltweiten Vertrieb hat der Konzern mit Nicholas Parker einen langjährigen Microsoft-Manager als neuen Executive Vice President geholt.

Charttechnik zeigt Konsolidierung

Die strategische Expansion hat den Kurs bisher nicht beflügelt. Nvidia notiert 15,07 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro vom 14. Mai. Zum 200-Tage-Durchschnitt von 164,21 Euro besteht dagegen noch ein Polster von 4,73 Prozent.

Der RSI auf 14-Tage-Basis liegt bei 43,8 – ein neutraler Wert ohne klare Richtung. Am 4. Juli stufte Wall Street Zen die Aktie von „Strong Buy“ auf „Buy“ zurück. Die annualisierte Volatilität der vergangenen 30 Tage liegt bei 38,25 Prozent, ein Hinweis auf anhaltend nervöse Kursausschläge.

Blick auf die kommenden Wochen

Anleger dürften genau beobachten, ob sich das neue Umsatzbeteiligungsmodell in der Prognose niederschlägt. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 erzielte Nvidia einen Umsatz von 81,6 Milliarden Dollar, ein Plus von 85 Prozent zum Vorjahr. Für das zweite Quartal rechnet der Markt mit rund 91 Milliarden Dollar.

Am 23. Juli legt Nokia seine Zahlen vor – ein möglicher Gradmesser für den Fortschritt der AI-RAN-Partnerschaft. Hinzu kommt ein diplomatisches Signal: CEO Jensen Huang nimmt an einem hochrangigen Handelsgipfel teil, bei dem mögliche Lockerungen für KI-Hardware-Exporte nach China zur Sprache kommen könnten.