Am Ende gab Nvidia gestern Abend etwas nach. -0,89 % sind es in München geworden. Mit 182,88 Euro ist die Aktie aber noch weit im technischen Aufwärtstrend. Und dennoch runzeln manche die Stirn.

Marktanteil ist enorm

Der Wettbewerb im Markt für Künstliche Intelligenz gewinnt weiter an Schärfe. Zwar hält Nvidia mit einem Marktanteil von rund 95 % bei Grafikprozessoren für KI-Rechenzentren weiterhin die Spitzenposition, doch die Konkurrenz versucht zunehmend, den Branchenführer auf einer neuen Ebene herauszufordern. Im Mittelpunkt stehen längst nicht mehr einzelne Hochleistungschips, sondern komplette KI-Systeme und die Frage, welche Plattformen den wachsenden Anforderungen großer Cloud-Anbieter am besten gerecht werden.

Besonders AMD erhöht den Druck mit seinem neuen Helios-System. Anders als bei früheren Produktgenerationen richtet sich der Wettbewerb nicht mehr ausschließlich auf die Leistungsfähigkeit einzelner Grafikprozessoren, sondern auf vollständig integrierte Rack-Lösungen aus Hard- und Software. Mit einem geschätzten Preis von 5 bis 5,5 Millionen US-Dollar liegt Helios sogar über Nvidias Vera-Rubin-System, das auf rund 3,5 bis 4 Millionen US-Dollar taxiert wird. Dass Unternehmen wie Microsoft, Meta, OpenAI und Oracle dennoch Interesse an solchen Systemen zeigen, verdeutlicht den weiterhin enormen Investitionsbedarf beim Ausbau von KI-Rechenzentren.

Zudem verändert sich auch die Diskussion über die Bewertung moderner KI-Infrastruktur. Während Nvidia den Fokus vor allem auf die Geschwindigkeit einzelner Rechenschritte legt, rücken Wettbewerber die Zahl gleichzeitig arbeitender KI-Agenten pro Rack in den Mittelpunkt. Nach Einschätzung der Bank of America handelt es sich dabei zwar um eine wichtige Entwicklung für die gesamte Branche, an der positiven Einschätzung des Unternehmens ändert dies jedoch nichts. Die Analysten halten an ihrer Kaufempfehlung fest und sehen kurzfristig keine ernsthafte Bedrohung für Nvidias führende Marktstellung.

Dass der Konzern seine Position nicht allein über leistungsfähige Chips absichern will, zeigt der gleichzeitige Ausbau der Produktionskapazitäten in den USA. Ein neuer Mehrjahresvertrag über 1,5 Milliarden US-Dollar mit Amkor Technology soll moderne Chip-Packaging-Technologien voranbringen, während in Texas bereits die Fertigung neuer Grace-Blackwell- und später Vera-Rubin-Systeme vorbereitet wird. Nvidia verfolgt damit das Ziel, die Lieferkette breiter aufzustellen und den wachsenden Bedarf an KI-Hardware langfristig abzusichern.