Nvidia baut sein Geschäft um. Der Chipkonzern will künftig nicht nur Hardware liefern, sondern auch die Finanzierung riesiger KI-Rechenzentren absichern. Im Zentrum steht ein Deal mit OpenAI und SoftBank, der Garantien in Höhe von 250 Milliarden Dollar umfassen könnte.
Ein Gigawatt-Projekt in Ohio
Laut Berichten des Wall Street Journal von Sonntag und Montag verhandelt Nvidia über die Finanzierung eines gewaltigen Rechenzentrums-Campus in Süd-Ohio. Die Anlage soll am Ende zehn Gigawatt Leistung liefern. Entwickelt wird sie von einer Tochtergesellschaft der SoftBank-Energiesparte, genutzt werden soll sie von OpenAI.
Der Plan sieht vor: Nvidia übernimmt Garantien, damit OpenAI günstigere Kreditkonditionen für Leasing und Bau erhält. Zusammen könnten diese Garantien auf 250 Milliarden Dollar summieren. Parallel verhandeln die Beteiligten über ein separates Finanzierungspaket von 350 Milliarden Dollar – ausschließlich für den Kauf der Chips, die die Anlage später betreiben sollen.
Die erste Bauphase in Ohio soll 2028 fertig sein. Endgültige Vertragsdetails stehen noch aus.
Milliarden-Investment in Südkorea
Nvidia expandiert zeitgleich in Asien. Am Montag wurde bekannt, dass der Konzern eine Milliarde Dollar in den südkoreanischen Konzern Naver investiert. Das Geld fließt in ein KI-Rechenzentrum, das sich derzeit im Bau befindet.
Die Investition vertieft eine bereits bestehende Partnerschaft. Erst kürzlich hatte Nvidia eine strategische Allianz mit der SK Group im Umfang von 500 Milliarden Dollar angekündigt – inklusive langfristiger Speicherchip-Lieferungen von SK Hynix und einer Zwei-Gigawatt-Cloud-Initiative von SK Telecom. Mit dem Naver-Investment sichert sich Nvidia zusätzlichen Zugriff auf staatlich geförderte KI-Infrastruktur in einem Schlüsselmarkt.
Neue Werkzeuge und Huangs Dementi
Auch technisch tut sich einiges. Am 26. Juli stellte Nvidia eine Erweiterung seines „Agent Toolkit“ für Ingenieure vor. Neu gestaltete PhysicsNeMo- und CUDA-X-Bibliotheken sollen „autonome KI-Ingenieure“ ermöglichen. Die Werkzeuge verbinden physikbasierte Simulation und Quantenchemie mit automatisierten Arbeitsabläufen – gedacht für komplexes Chipdesign und industrielle Technik.
CEO Jensen Huang nutzte einen Entwickler-Event am selben Tag, um Gerüchten über Verzögerungen bei der nächsten Chip-Generation „Vera Rubin“ zu widersprechen. Die Chips seien „bereits in Produktion“, größere Stückzahlen würden bald folgen. Partner TSMC hat die Massenproduktion mittlerweile final geplant und setzt dafür auf 3-Nanometer-Technologie.
Kurs unter Beobachtung
Die Nvidia-Aktie schloss den Freitagshandel bei 182,00 Euro, ein Minus von 0,80 Prozent. Der Titel notiert damit knapp über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 180,82 Euro und liegt seit Jahresbeginn 13,55 Prozent im Plus. Der RSI von 52,6 signalisiert neutrale Dynamik – ein ruhiger technischer Rahmen für eine Woche mit potenziell großer Tragweite.
Die anstehenden Quartalszahlen von Microsoft und Meta am 29. Juli dürften zeigen, wie robust die Investitionsbereitschaft der großen Cloud-Anbieter tatsächlich ist. Für Nvidia hängt daran viel: Je mehr Hyperscaler in KI-Infrastruktur investieren, desto mehr Rückenwind bekommt das eigene Geschäftsmodell als Finanzierungspartner.
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