Nvidia steckt mitten in der größten Vertrauensprobe der laufenden KI-Rallye. Auslöser ist eine mögliche Finanzierungsgarantie über bis zu 250 Milliarden US-Dollar, die der Chipkonzern für ein Rechenzentrum von OpenAI in Piketon, Ohio, prüft. Gemeinsam mit SB Energy und SoftBank soll das Projekt insgesamt mehr als 500 Milliarden US-Dollar kosten, davon allein 350 Milliarden für Chips, berichtet Al Jazeera. Die Stromversorgung soll über ein 33 Milliarden Dollar teures Gaskraftwerk aus einem amerikanisch-japanischen Abkommen laufen.
Kritiker sehen darin ein weiteres Beispiel für zirkuläre Finanzierung: Nvidia stützt seine eigenen Kunden finanziell, damit diese wiederum Nvidia-Chips kaufen. Aleksandar Tomic äußerte laut Al Jazeera entsprechende Bedenken. Als der Deal gestern bekannt wurde, fiel die Nvidia-Aktie an der Nasdaq um 4,99 Prozent auf 196,51 US-Dollar, wie TradingKey berichtete.
Burry warnt vor „biblischen“ Ausmaßen
Zu dem OpenAI-Vorhaben kommt ein zweites Geschäft hinzu, das die Debatte weiter anheizt: ein 15 Jahre laufendes Leasing für ein Ein-Gigawatt-Rechenzentrum von Hut 8 in Texas, mit einem Basiswert von 19,6 Milliarden Dollar, der über 30 Jahre auf bis zu 50 Milliarden Dollar anwachsen kann. Parallel dazu steckt Nvidia 5 Milliarden Dollar in Ilya Sutskevers KI-Sicherheits-Start-up Safe Superintelligence und gewährt dem Unternehmen laut eeNews Europe Zugang zur eigenen Vera-Rubin-Rechenplattform.
Michael Burry warnt, Nvidias „Überdehnung“ treibe die zirkulären Ausgaben auf „biblische Ausmaße“, wie Benzinga berichtete. Als Beleg verweist er auf die Credit Default Swaps auf Nvidia-Anleihen, deren fünfjährige Laufzeit seit Jahresbeginn um rund 90 Prozent gestiegen ist. Kreditausfallversicherungen gelten als Fieberthermometer für das Vertrauen der Anleihemärkte in die Bonität eines Schuldners – und dieses Thermometer schlägt zunehmend aus.
Chip-Sektor gerät zusätzlich unter Druck
Die Finanzierungsdebatte trifft Nvidia in einer ohnehin nervösen Marktphase. China hat mit der Serienproduktion von Immersions-DUV-Lithografiemaschinen begonnen, angeführt vom Hersteller Shanghai Aishengna, für Kunden wie SMIC, Hua Hong und CXMT. Die Aussicht auf eine technologische Aufholjagd der chinesischen Chipindustrie schickte die asiatischen Börsen auf Talfahrt: Der südkoreanische Kospi-Index stürzte gestern um 10,84 Prozent ab, Samsung verlor 13,39 Prozent, SK Hynix 14,65 Prozent. An zwei Tagen in Folge wurden dort Sell-Side-Sidecars ausgelöst, zuletzt heute Vormittag mit einem weiteren Minus von gut sechs Prozent.
Verschärft wurde die Stimmung durch die Quartalszahlen von SK Hynix: Der Speicherchiphersteller meldete für das zweite Quartal 2026 einen Rekordumsatz von 79,32 Billionen Won, ein Plus von 257 Prozent gegenüber dem Vorjahr, sowie einen um 557 Prozent gestiegenen Betriebsgewinn von 60,54 Billionen Won. Beide Werte verfehlten dennoch die Konsensschätzungen, was die Sorge nährte, selbst die stärkste Nachfragephase der Branche stoße an ihre Grenzen. Der Nasdaq-100 rutschte in der Folge um rund 9,75 Prozent unter sein Rekordhoch und damit in Korrekturgebiet, während der marktbreite S&P 500 zuletzt kaum bewegt war.
Kursbild: deutlich abgekühlt, aber kein Einbruch
Auch im deutschen Handel zeigt sich die Verunsicherung, wenn auch gedämpfter als in Asien: Die Nvidia-Aktie notiert aktuell bei 173,24 Euro und hat binnen einer Woche 6,94 Prozent eingebüßt. Vom Zwölfmonatshoch bei 202,50 Euro, erreicht am 14. Mai, trennen das Papier mittlerweile 14,45 Prozent.
Nicht alle Marktbeobachter teilen die Untergangsstimmung. TradingKey bezeichnete die Verkaufswelle als übertrieben und verwies auf die Umsatzprognose von rund 91 Milliarden Dollar für das laufende Quartal sowie auf die anstehenden Zahlen am 25. August. Der Analystenkonsens stufe die Aktie demnach weiterhin mehrheitlich als Kauf ein. Ob dieser Optimismus trägt, dürfte sich erst zeigen, wenn sich die Kreditausfallversicherungen wieder beruhigen und die Sorgen um zirkuläre Finanzierungsstrukturen nachlassen.
Nvidia-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Nvidia-Analyse vom 29. Juli liefert die Antwort:
Die neusten Nvidia-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Nvidia-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 29. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Nvidia: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

