Nvidia hat eine starke Woche hinter sich. Am Freitag schloss die Aktie bei 193,68 Euro, ein Plus von 2,03 Prozent zum Vortag und 11,23 Prozent auf Wochensicht. Bis zum 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro fehlen nur noch 4,36 Prozent. Für mich ist das aber nicht die eigentliche Geschichte dieser Woche. Die eigentliche Geschichte ist, dass Nvidia gerade sein Geschäftsmodell erweitert – vom Chiplieferanten zum Infrastruktur-Eigentümer.
Der 3-Milliarden-Dollar-Einstieg bei Strom und Immobilien
Nvidia soll rund 3 Milliarden Dollar in Lancium investieren, das Unternehmen hinter dem „Stargate“-Rechenzentrumscampus in Texas. Zwei Milliarden Dollar davon fließen sofort, für einen Anteil von etwa 20 Prozent. Das ist mehr als eine Randnotiz. Nvidia bewegt sich damit weg von der reinen „Compute“-Ebene und hinein in die Schicht, die Strom und Grundstücke kontrolliert.
Zusammen mit Partnern wie Blackstone, SoftBank und OpenAI sichert sich Nvidia einen Fuß in der Tür bei den physischen Fundamenten der KI-Infrastruktur. Der Konzern wird, überspitzt gesagt, sein eigener Vermieter. Das ist strategisch klug: Selbst wenn der Wettbewerb bei den Chips selbst härter wird, sichert die Kontrolle über Rechenzentren und Energie eine zweite Ertragsschicht. Aus meiner Sicht macht genau das den Burggraben um Nvidia widerstandsfähiger, als es ein reiner Blick auf Marktanteile bei GPUs vermuten lässt.
Institutionen kaufen, während Kritiker die Bewertung anzweifeln
Es gab zuletzt Berichte über Insiderverkäufe bei Nvidia. Die aktuellen 13F-Meldungen für das erste Quartal 2026 zeichnen aber ein anderes Bild. Amundi hat seine Position um 10,4 Prozent auf über 133 Millionen Aktien ausgebaut. Altshuler Shaham Ltd erhöhte seinen Bestand um mehr als das 64-fache. Auch Cathie Woods Ark Invest hat zuletzt aufgestockt. Für mich ist das ein starkes Signal: Professionelle Vermögensverwalter sehen im aktuellen Niveau offenbar einen vertretbaren Einstieg, keinen Höhepunkt.
Bei der Bewertung spricht vieles für Nvidia im Vergleich zur Konkurrenz. AMD notiert trotz eines Kursrückgangs nach den jüngsten Zahlen mit fast dem 70-fachen der erwarteten Gewinne. Nvidia kommt dagegen nur auf etwa das 32-fache der Gewinne der vergangenen zwölf Monate. Der Umsatz wuchs zuletzt um 85,2 Prozent im Jahresvergleich auf 81,61 Milliarden Dollar. Das Profil „Wachstum zu einem vernünftigen Preis“ bleibt damit intakt – bemerkenswert für ein Unternehmen dieser Größe.
Charttechnik: Der Blick auf die 202,50 Euro
Nvidia notiert derzeit 8,03 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 179,28 Euro und 15,89 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 167,12 Euro. Der RSI liegt bei 63,5 – ein Wert, der Aufwärtsmomentum zeigt, ohne die Aktie als überkauft auszuweisen. Das technische Bild bleibt also solide, ohne heißzulaufen.
Das Kursziel für die kommende Woche ist klar: der Widerstand nahe dem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro. Ein Ausbruch darüber könnte durch die jüngste Expansion ins PC-Segment befeuert werden. Der neue RTX Spark Superchip entsteht in Partnerschaft mit MediaTek und nutzt den 3-Nanometer-Prozess von TSMC.
Mein Fazit
Anleger sollten am Montag die Marke von 193,68 Euro als erste Unterstützung im Blick haben. Der Analystenkonsens liegt bei einem Kursziel von 261,93 Euro – das entspräche einem Potenzial von 35,2 Prozent vom aktuellen Niveau. Die annualisierte Volatilität von 38,28 Prozent bleibt hoch, das gehört bei Nvidia mittlerweile zum Geschäft.
Für mich überwiegen dennoch die Argumente für die bullische These. Fast dreistelliges Wachstum im Rechenzentrumsgeschäft, gepaart mit dem strategischen Vorstoß in energieintensive Infrastruktur, ist eine seltene Kombination. Nvidia verkauft nicht mehr nur die Schaufeln für den KI-Goldrausch. Der Konzern kauft sich jetzt direkt in die Minen ein.
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