Nvidia baut sein Geschäftsmodell um. Der Chipkonzern hat sich mit sechs der größten Namen der Finanzwelt zusammengetan, um mehr als 500 Milliarden Dollar für den Ausbau von KI-Infrastruktur zu mobilisieren. Apollo, BlackRock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs und KKR beteiligen sich an der Plattform, die Rechenzentren und Grafikprozessoren finanzieren soll.
CEO Jensen Huang stellte die Initiative am Mittwoch vor und verglich GPUs mit Immobilien: Sie sollen künftig als langlebige, beleihbare Vermögenswerte gelten, nicht als schnell veraltende Technik.
Für Nvidia ist das ein doppelter Schachzug. Die Wall-Street-Partner bringen frisches Fremdkapital in den Markt, ohne dass Nvidia die Rechnung allein trägt. Der Konzern übernimmt dabei eine Garantie von bis zu 25 Prozent der Finanzierungssumme, maximal 125 Milliarden Dollar, und sichert damit einzelne Deals ab.
Die Konstruktion soll Kritik an „zirkulärer Finanzierung“ vorbeugen, bei der Nvidia am Ende selbst zum größten Abnehmer eigener Finanzierungsprodukte würde. Unabhängige Investoren sollen das Kapital stattdessen breiter verteilen, unter anderem an Startups, Regierungen und Cloud-Anbieter.
Der Markt reagiert gespalten
Die Reaktion an den Börsen fiel zunächst uneinheitlich aus. Vorbörslich verlor die Aktie zeitweise leicht, im weiteren Handelsverlauf drehte das Papier aber deutlich ins Plus.
Ein Signal für die Risikoeinschätzung der Gläubigerseite liefert der Kreditversicherungsmarkt: Die Kosten für eine fünfjährige Ausfallversicherung auf Nvidia-Anleihen sanken um vier Basispunkte auf 73 Basispunkte – ein Hinweis darauf, dass Investoren das zusätzliche Engagement nicht als Bonitätsrisiko werten.
Nicht alle sind überzeugt. Investor Michael Burry bezeichnete die Plattform als „Wall-Street-Stunt“ und zog Parallelen zur Finanzkrise 2008. Sein Kernargument: Wenn GPUs als Kreditsicherheit dienen, ihr Wert aber schneller fällt als erwartet, drohen Kettenreaktionen bei den beteiligten Kreditgebern.
Analyst Ben Emons sieht das größte Risiko in China: Günstigere Chips aus heimischer Produktion, etwa Huaweis Ascend 950PR, könnten die Preise für Nvidia-Hardware drücken. Tatsächlich ist der Preis für ein H100-Modul von 30.000 Dollar im Jahr 2023 auf rund 8.000 Dollar Mitte 2026 gefallen – ein Rückgang von rund 73 Prozent.
Gleichzeitig ist der Mietpreis für H100-Rechenleistung von 1,70 auf 2,35 Dollar pro GPU-Stunde gestiegen, was für robuste Auslastung spricht. Emons erwartet für die neue Finanzierungsplattform Renditen von 11 bis 17 Prozent.
Cash-Polster als zusätzlicher Puffer
Rückenwind erhält die Strategie durch die Bilanz: Nvidia verfügte im April über mehr als 80 Milliarden Dollar an Barmitteln und marktfähigen Anlagen. Sha Rabii, Mitgründer von Majestic Labs, sieht genau darin den eigentlichen Wettbewerbsvorteil des Konzerns – nicht primär in der Technologie, sondern im finanziellen Spielraum, den Wettbewerber kaum kopieren können. Diese Cash-Reserve dürfte auch die Garantiezusage im 500-Milliarden-Deal absichern.
Der breitere Markt für KI-Infrastruktur bleibt unterdessen dynamisch: CoreWeave, einer der größten Nvidia-Kunden, meldete am Mittwoch einen Umsatzsprung von 112 Prozent im zweiten Quartal, die Aktie legte um 18 Prozent zu. Für Nvidia-Anleger ist das ein weiterer Beleg dafür, wie eng das Schicksal der Aktie mit der Investitionsbereitschaft der gesamten Branche verknüpft ist.
Die nächsten Quartalszahlen von Nvidia werden für den 26. August erwartet – dann dürfte sich zeigen, ob die milliardenschwere Finanzierungsoffensive bereits erste Spuren im Geschäft hinterlässt.
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