Vier Tech-Konzerne planen für 2026 zusammen rund 725 Milliarden Dollar an Investitionen in KI-Infrastruktur. Nvidia liefert die Chips dafür. Trotzdem verlor die Aktie in der vergangenen Woche an Boden — ein Widerspruch, der genauer hinsehen lohnt.
Am Freitag schloss das Papier bei 174,36 Euro, ein Erholungssprung von 2,98 Prozent nach einer schwachen Woche. Auf Wochensicht bleibt trotzdem ein Minus von 4,21 Prozent stehen. Der Markt verdaut gerade eine Flut an Ausgabenankündigungen der größten Technologiekonzerne der Welt — und reagiert nicht einheitlich positiv.
Der Support hält, vorerst
Charttechnisch verteidigt Nvidia gerade eine wichtige Marke. Bei 174,36 Euro notiert die Aktie knapp über ihrem 100-Tage-Durchschnitt von 173,89 Euro. Dieses Niveau zu halten, ist für den kurzfristigen Trend entscheidend.
Der RSI liegt bei 47,2 — weder überkauft noch überverkauft. Diese neutrale Lage gibt der Aktie eine stabile Basis, bevor Ende August der nächste große Katalysator ansteht. Zum bisherigen Rekordhoch fehlen der Aktie allerdings noch 13,90 Prozent.
725 Milliarden Dollar als Fundament
Der eigentliche Treiber für Nvidias Bewertung bleibt das Ausgabenverhalten der größten Kunden. Microsoft, Alphabet, Meta und Amazon haben diese Woche ihre Zahlen vorgelegt. Zusammen planen die vier Hyperscaler für 2026 Investitionsausgaben von rund 725 Milliarden Dollar — ein Plus von 77 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Der Markt reagiert darauf differenziert. Microsoft wurde für ein Azure-Wachstum von 43 Prozent belohnt, der Kurs zog an. Meta dagegen geriet unter Druck, weil Investoren fragen, was die explodierenden Kosten für den freien Cashflow bedeuten.
Für Nvidia selbst ist die Lage aus meiner Sicht trotzdem klar. Solange die vier Schwergewichte um die KI-Vorherrschaft kämpfen, bleibt die Nachfrage nach Hochleistungschips strukturell gesichert. Das spricht für die Aktie — auch wenn der Kurs kurzfristig schwankt.
Von Blackwell zu Vera Rubin
Nvidia befindet sich im Übergang von der Blackwell-Architektur zum Nachfolger Vera Rubin. CEO Jensen Huang bestätigte kürzlich, dass die Plattform bereits in voller Produktion läuft. Lieferungen an Partner sollen in der zweiten Jahreshälfte 2026 beginnen.
Vera Rubin soll die Kosten pro Token gegenüber Blackwell um bis zu das Zehnfache senken. Das trifft den Nerv wachsender Nachfrage nach energieeffizienten „KI-Fabriken“. Der Hochlauf verläuft aber nicht reibungslos: Branchenberichten zufolge hat Nvidia die Speicherkonfiguration bestimmter Rubin-Racksysteme angepasst, um steigende Kosten für Hochleistungsspeicher zu managen. Dieser Speicher könnte sonst fast 29 Prozent der gesamten Materialkosten ausmachen.
Zirkuläre Finanzierung als Risikofaktor
Nvidia sichert sich Nachfrage inzwischen auch über die eigene Bilanz. Diese Woche gab der Konzern eine strategische Beteiligung an Ilya Sutskevers Safe Superintelligence bekannt — inklusive Zugang zur Vera-Rubin-Plattform für das Startup. Hinzu kommen Berichte über Gespräche, mit denen Nvidia die gigantische Rechenzentrumsexpansion von OpenAI mitfinanzieren könnte.
Diese Konstellation hat den Begriff der „zirkulären Finanzierung“ in die Marktdebatte gebracht. Bullische Stimmen lesen darin Nvidias Vertrauen ins eigene Ökosystem. Andere Beobachter mahnen zur Vorsicht — bei einer Marktkapitalisierung von 4.010,66 Milliarden Euro könnte künstlich erzeugte Nachfrage schwerer wiegen als bei kleineren Unternehmen. Ich teile diese Skepsis zumindest teilweise: Wer Kunden mitfinanziert, verwischt die Grenze zwischen echter und gekaufter Nachfrage.
Ausblick: Der 26. August als Prüfstein
Das nächste entscheidende Signal liefert der 26. August 2026. Dann meldet Nvidia die Zahlen für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027. Anleger werden vor allem auf Produktionsausbeuten bei Vera Rubin und die Stabilität des Auftragsbestands achten.
Der Analystenkonsens sieht ein Kursziel von 263,90 Euro — ein Aufwärtspotenzial von 51,4 Prozent gegenüber dem Freitagsschluss. Mein Fazit: Die Kombination aus massiven Hyperscaler-Investitionen und einer klaren Produkt-Roadmap trägt die Bullen-These weiterhin. Die Fragen zur zirkulären Finanzierung sollten Anleger dabei trotzdem nicht als Randnotiz abtun.
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